Quokka – Reden als wäre man an einem Ort
Der Name "Soziale Distanzierung" ist leider irreführend und schädlich. Nötig ist "Physische Distanzierung" bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der sozialen Bindungen! #PhysicalDistancing
Die Herausforderung
Damit aus physischer Distanzierung nicht wirkliche soziale Distanzierung wird, müssen wir weiter miteinander im Gespräch bleiben, auch wenn wir nicht zusammen an einem Ort sein können.
Warum reden statt schreiben?
Reden ist wichtig -- insbesondere in Zeiten von Home Office, Isolierung und Ausgangssperren. Echte Gespräche sind viel persönlicher als Chats und wenn man miteinander redet, anstatt zu schreiben, kann man viele Dinge schneller klären.
Warum nicht einfach Telefon, Skype, Facetime, Zoom oder irgendetwas anderes, das es schon gibt?
Wenn man in einem Büro sitzt oder auf einem Flur arbeitet, vereinbart man normalerweise keinen Termin, wenn man nur mal kurz was fragen möchte. Spontanität und Natürlichkeit gehen verloren, wenn man erst einen Video-Call einrichten muss, um in der Kaffeepause mit jemandem einen kurzen Plausch zu halten. Und selbst wenn man sich vornimmt, das zu tun, macht man es letztendlich dann doch nicht. Kann man den Sonntagsbesuch bei seinen Eltern auch nur annähernd gleichwertig durch ein Telefonat ersetzen? Gemütliches Essen, Erledigung von Hausarbeit, Lesen oder Fernsehen, Sport und dazwischen immer wieder einmal kurze oder längere Gespräche: So funktioniert weder Telefon noch Videokonferenzen. Und wie sollen Lehrer die Anfragen von Schülern aus vier Klassen und all deren Eltern organisieren? Wie erkenne ich, wann wer Zeit und Fragen hat? In der Schule kann eine Schülerin einfach beim Lehrer vorbeischauen und nachsehen, ob er gerade Zeit hat. In der virtuellen Welt funktioniert das nicht. Das Terminieren von Gesprächen kann hier beinahe so viel Zeit kosten, wie die Gespräche selbst. Das ist kostbare Zeit, die anderswo fehlt.
Warum nicht Sprachkonferenzsoftware wie Teamspeak oder Mumble?
Sprachkonferenzsoftware wie Teamspeak oder Mumble bieten ein niedrigschwelliges Angebot auch für spontane Gespräche und werden oft beispielsweise als Ergänzung zu Onlinespielen genutzt. Doch bleiben diese Lösungen bislang auf den professionellen bis 'nerdigen' Kontext beschränkt. Für die Nutzung ist es notwendig einen Server aufzusetzen, wofür man ein ordentliches Maß an IT-Kompetenz braucht. Außerdem kommt es bei der Konfiguration immer wieder zu Hürden und das User-Interface lässt zu Wünschen übrig. Für Oma Erna und Lehrer Gerhard sind und bleiben solche Services daher böhmische Dörfer: Sie kennen sie nicht, sie können die entsprechenden Server weder aufsetzen, noch konfigurieren und finden sich auch dann nicht darin zurecht, wenn ein fertiger Service von technisch findigen Enkelinnen bereitgestellt wird. Es braucht also einen einfach verständlichen, von jedem zu bedienenden Service, der out-of-the-box die Funktionalitäten bereitstellen kann, die Sprachkonferenzsoftware wie Teamspeak und Mumble bieten können. Und genau dort wollen wir ansetzen.
Unser Ansatz
Quokka ist eine extrem benutzerfreundliche Plattform, die jedem erlaubt, in den Genuss der Funktionalitäten professioneller Sprachkonferenzsoftwaren zu kommen.
Was es tut
Prinzipiell unterscheiden wir zwei Anwendungsfälle: Einerseits das Organisieren vorhandener Gruppen wie Familien, Büros bzw. Abteilungen oder auch Schulen, um soziale Nähe auch in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen zu ermöglichen; andererseits das In-Kontakt-Treten mit neuen Menschen in Zeiten der physischen Isolierung.
Jeder, der sich auch bei Facebook einigermaßen zurechtfinden kann, kann auch Quokka nutzen. Insofern verhält sich Quokka zu Mumble wie Slack zu IRC: eine vielzahl von praktischen und langjährig erprobten Funktionalitäten werden einer weniger technikaffinen Zielgruppe auf massentaugliche Weise zur Verfügung gestellt.
Wie es das tut
Wir bedienen uns einer Metapher, die jeder kennt: Häusern, Fluren, Räumen und Sitzkreisen.
In Quokka können Nutzer Häuser erstellen, die funktional im Wesentlichen Hosts oder Instanzen entsprechen. In diesen Häusern gibt es Räume. Vereinfacht gesagt kann ein Nutzer kann das hören, was in einem Raum gesprochen wird und wird in dem Raum gehört, in dem er sich befindet. Offene Räume können nach Belieben verlassen und betreten werden. Räume können in Fluren organisiert sein. Innerhalb eines Raums können sich Nutzern in Sitzkreisen (im Wesentlichen Break-Out-Rooms) zusammenfinden, wo sie sich alleine unterhalten können -- quasi ein Raum in einem Raum. Räume existieren auch weiter, wenn kein Nutzer im Raum ist, Sitzkreise brauchen aber mindestens zwei Teilnehmer und verschwinden, sobald nur noch ein Teilnehmer im Sitzkreis ist. Alles ganz wie im echten Leben.
Die Idee ist, dass Häuser erweiterte oder vereinfachte digitale Zwillinge echter Strukturen wie Schulen oder Büros sein können oder sich jedenfalls so anfühlen als seien sie Entsprechungen echter Strukturen. Man kann in seinem eigenen Büro sitzen und dort können andere vorbeikommen, wenn sie Fragen haben.

Eigenschaften von Räumen
Räume können unterschiedliche Eigenschaften haben, um verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden zu können. Dazu zählen (siehe auch in "Funktionalitäten"):
- Schlösser: Ein Raum kann für alle geöffnet sein oder aber er kann für alle oder für bestimmte Nutzer abgeschlossen sein. Im letzteren Fall muss man einen Schlüssel haben, um den Raum zu betreten oder an der Tür klopfen, um hereingelassen zu werden.
- Keine Fenster: Normalerweise ist sichtbar, wer sich in einem Raum aufhält. So hat man einen Überblick, wer sich wo aufhält. Für besondere Privatsphäre kann ein Raum aber auch so eingestellt werden, dass man von draußen nicht sehen, wer darin ist.
- Geheimtür: Üblicherweise sind Räume für jeden sichtbar, aber wenn nötig kann ein Raum auch so verborgen werden, dass er nur von bestimmten Leuten gefunden werden kann.
- Ruheraum: Hier sind alle Mikros aus und niemand kann sprechen. Man kann aber immer noch von anderen Nutzern verschoben und gerufen werden und hört Durchsagen.
- Draußen (nicht verfügbar): Man kann nicht sprechen, nichts hören, nicht verschoben werden, ist aber trotzdem noch online.
Weitere Funktionen
- Rufen: Nutzer können das Erscheinen anderer Nutzer erbitten, woraufhin diese, wenn sie die Bitte annehmen, in den entsprechenden Ort wechseln (z.B. können Schüler Lehrer bitten, zu ihnen zu kommen.)
- Verschieber: Manche Nutzer können andere Nutzer verschieben. Dieses Privileg kann pro Haus oder pro Flur vergeben werden.
- Durchsagen: Hört jeder im Flur oder im Gebäude nach Wahl.
- Voucher-System: Ein Link/Code, der den einmaligen Zugang zu einem bestimmten Raum ermöglicht. (niederschwelliges Zutrittssystem ohne Registrierung)
Quokka kann vielen Menschen helfen
Um im Home-Office die unkomplizierte Kommunikation mit den Kollegen zwei Tische oder auch ein Büro weiter auf möglichst natürliche Weise umzusetzen, lassen sich die aus dem echten Leben bekannten Strukturen in Quokka nachbilden. Jeder kann sich in seinem Büro aufhalten, man kann sich in der Kaffeeküche treffen und andere in ihren Büros besuchen. Aufenthalts- oder Konferenzräumen können von mehrere Abteilungen geteilt werden.
Ein Haus in Quokka kann auch dazu verwendet werden eine Schule nachzubilden. Darin können die Klassenzimmer, das Lehrerzimmer, die Bibliothek für die Stillarbeit (Mikros sind hier immer aus) oder ein Sprechstundezimmer für hilfesuchende Eltern nachgebildet werden. Der Lehrer kann seine Schüler via Mail ins Haus einladen und die Schüler der entsprechenden Klasse die Erlaubnis geben, ihren Klassenraum und die Bibliothek zu betreten. Alle Schüler können in einem Klassenzimmer sein, können sich dort aber in Kleingruppen zusammenfinden und Aufgaben lösen. Von dort können sie auch einen Lehrer rufen, wenn sie Hilfe benötigen. Sollten weitere Lehrer dieses Haus mitbenutzen wollen, kann der erste Lehrer ihn einladen und die beiden können nun ihre Klassenräume auf Flure verteilen und Klassenräume von Klassen.
Noras Großtante (85 Jahre alt), die in einem Seniorenheim wohnt und ihr Apartment nicht mehr verlassen darf, kann keinen Plausch mehr mit den Mitbewohnern im Speisesaal führen. Sie hat berichtet, dass sie Hemmungen davor hat die Mitbewohner anzurufen, weil sie nicht wüsste ob diese angerufen werden wollen. Mit Quokka könnten ihr diese Hürde genommen werden, wenn Mitbewohner sich in dem virtuellen Gemeinschaftsraum aufhalten und direkt ansprechbar sind.
Wie Quokka hilft, den Tag zu strukturieren und den Overhead in der Terminplanung verringert
Quokka kann den Aufwand der Terminplanung aus dem Home-Office signifikant reduzieren. Wenn man einfach schnell beim Kollegen im Büro vorbeischauen kann, wie man das im echten Leben auch tun würde, braucht man keine Emails oder Messenger-Nachrichten mehr austauschen, um sich zum Skype zu verabreden. Durch die Raumwahl kann man außerdem anzeigen, ob man gerade in tiefe Arbeit verstrickt oder in Laune für ein kurzes und unverbindliches Gespräch an der Kaffeemaschine ist. Auch verschwendet man nicht unnötig Zeit damit, kleine Anliegen textbasiert im Messenger zu klären anstatt einfach schnell miteinander zu sprechen.
Und ganz wie im echten Leben kann man sich nicht zugleich in unterschiedlichen Räumen oder unterschiedlichen Häusern aufhalten. Das spiegelt das echte Leben wieder und verhindert ein Verheddern und Verzetteln. Man ist ja auch nicht gleichzeitig in der Schule und zu Hause oder auf der Arbeit und im Verein -- respektive man sollte es nicht sein, auch wenn Smart-Phones es irgendwie ermöglichen. Auf diese Art kann Quokka helfen, den Tag zu strukturieren, Fokus und Aufmerksamkeit zu bündeln und das Leben zu entstressen.
Technische Umsetzung
Unser Projekt besteht aus einer Client und einer Server Komponente. Auf dem Client verwenden wir TypeScript mit React für das Frontend. Dadurch funktioniert unser Projekt auf jedem Computer oder auch Smartphone mit einem modernen Browser. Der Client kommuniziert via WebRTC und Websockets mit einem WebRTC Gateway. WebRTC ist eine auf P2P ausgelegte Technologie für Echtzeitkommunikation im Web. Würde man jedoch jeden Client per P2P mit jedem anderen verbinden, würde man eine quadratische Anzahl an Verbindungen benötigen. Hier kommt das WebRTC Gateway ins Spiel. Jeder Client verbindet sich mit dem Gateway und sendet einen Audiostream. Der Stream wird auf dem Gateway gemischt und dann zurück an die Clients geschickt. Die Anzahl an Verbindungen ist damit nur linear in der Anzahl der Clients und es wird Bandbreite eingespart. Als WebRTC Gateway verwenden wir Janus. Der Server läuft dabei in einem Docker Container, sodass Deployments sehr einfach sind.
Natürlich wird das alles Open Source. Wir werden unseren Code in Kürze auf GitHub veröffentlichen.
Was haben wir gemacht?
Wir haben das Janus WebRTC Gateway in einen Docker Container verfrachtet, für unsere Zwecke konfiguriert und herausgefunden, wie man damit arbeitet. Wir haben ein prototypisches Frontend in TypeScript und React realisiert, in dem man Räume betreten und erstellen kann. Der Prototype ist hat insgesamt folgenden Funktionsumfang: (1) Man kann Räume erstellen, (2) man kann Räume betreten, (3) in Räumen kann man sich mit allen dort Anwesenden unterhalten, (4) man kann sich selbst stummschalten.
Was wir in den kommenden Tagen tun werden
- Nutzeregistrierung
- Nutzeranmeldung
- Häuser erstellen
- Besitzer von Häusern
- Session-Handling
- Mehr Eigenschaften für Häuser und Räume: Zugang usw.
- Funktionalitäten: Anklopfe, Durchsagen, Vouchersystem...
- Hübschere Grafiken
- Logs auf dem Webserver minimieren
- Self-Hosting-Variante ausbauen
- Quokka as a Service
- Unter einer Open Source Lizenz veröffentlichen
Ausblick
- Weiterentwicklung der Funktionalitäten, beispielsweise Tags für Räume (z.B. alle Klassenräume über diverse Flure), Nutzer (alle Lehrer), Flure (alle Oberstufeflure) et cetera. Durchsagen relativ zu Tags, eteilte Räume und Flure von mehreren Häusern („Brücken”).
- Föderale Lösung: Self-Hosted-Häuser können mit denen auf unserer Plattform verbunden werden („Portale”).
- Alexa-Skills etc für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen




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