Die Initiative “Zuhause für Alle” Im Rahmen des #WirVsWirus-Hackathons der Bundesregierung vom 20.03. bis zum 22.03.2020 (https://wirvsvirushackathon.org) erarbeiten über 40.000 Engagierte bundesweit gemeinsam Lösungen für entstehende Probleme und Herausforderungen der Corona-Krise. Innerhalb von 48 Stunden entstehen Ideen zu Konzepten, Prototypen und Präsentationen. Unser Team aus sechs aktiven Mitgliedern und über 30 Unterstützer*innen erarbeitet niedrigschwellige und zugleich innovative Lösungen für Wohnungslose in Deutschland, die derzeit keine Schutzmöglichkeiten vor dem Virus haben.

Was ist unser Anliegen? Wie kann man Zuhause bleiben, wenn man kein Zuhause hat? Unsere Vision ist es, jedem Menschen in Zeiten wie diesen ein Zuhause geben. Unser Ziel ist es, Züge als Notunterkünfte für Wohnungslose zu stellen. In Kooperation mit der Deutschen Bahn, Bahnhofsmissionen und weiteren Hilfseinrichtungen sollen aus leerstehenden Zügen bundesweit provisorische Notunterkünfte für Wohnungslose werden, in denen sie verpflegt und medizinisch wie psychisch betreut werden können.

Relevanz des Handlungsfeldes “Der Gesundheitszustand wohnungsloser Frauen und Männer ist schlecht” (BAG Wohnungslosenhilfe e.V.: online) sagt die BAG W. Viele sind bereits älter, leiden zudem an Mehrfacherkrankungen. Daraus ergibt sich sowohl für die Wohnungslosen als auch für die gesamte Bevölkerung ein gesundheitliches Risiko. Gleichzeitig sind viele vorhandene Anlaufstellen für Wohnungslose ebenso durch den Virus eingeschränkt oder geschlossen und Ehrenamtliche teilweise selbst in Quarantäne Zuhause. Die übrigen Anlaufstellen sind aufgrund des entsprechend hohen Besucherandrangs komplett überlastet. Dies führt dazu, dass die Grundversorgung (Essen, Duschen, medizinische Versorgung, Schlafplätze) für obdachlose Menschen kaum noch zur Verfügung steht. Viele der Maßnahmen, die sich an die allgemeine Bevölkerung richten - Selbstisolierung, erhöhte Hygiene, Zuhause bleiben, strikte soziale Distanzierung - sind keine realistische Perspektive für Menschen, die obdachlos oder wohnungslos sind. Call to Action Einer erster Schritt dahin ist die Realisierung eines Pilotprojekts in Frankfurt am Main. Auf dem Weg zum Ziel braucht es Vorbilder, mutige Erste und schnelle Entscheider, die andere für das Projekt begeistern können und zeigen, dass es funktionieren kann. Aus dem Pilotprojekt könnte die Blaupause für etwas Großes entstehen. Möchten Sie Teil davon sein?

“Es ist großartig, dass sich beim #WirvsVirus Hackathon der Bundesregierung viele kreative Köpfe Gedanken machen, wie die Situation von wohnungslosen Menschen in Großstädten angesichts der Coronakrise verbessert werden kann. Dabei geht es um Menschen, die schlichtweg kein Zuhause haben, in das sie sich zurückziehen können, oder die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, sich an die Verhaltensregeln zum Schutz vor Corona zu halten (z. B. Menschen mit psychiatrischen Krankheitsbildern). Hierfür brauchen wir ganz dringend gute Ideen!” Dr. Gisela Sauter-Ackermann - Bundesgeschäftsführerin der Bahnhofsmissionen

Wer ist die Zielgruppe des Projekts? “In Hessens Großstädten müssen mittlerweile über 5.000 Wohnungslose in Behelfsquartieren untergebracht werden. Das hat eine hr-Umfrage in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt und Offenbach ergeben” (hessenschau 2019: online). Wer gilt als wohnungslos? Die Definitionen von wohnungslosen Personen wird in Deutschen Gesetzen nicht gegeben, vielmehr wird aktuell die Definition der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. verwendet. Darin heißt es: “Wohnungsnotfälle sind Haushalte und Personen mit einem Wohnungsbedarf von hoher Dringlichkeit, die aufgrund besonderer Zugangsprobleme (finanzieller und/oder nicht-finanzieller Art) zum Wohnungsmarkt der besonderen institutionellen Unterstützung zur Erlangung und zum Erhalt von angemessenem Wohnraum bedürfen” (BAG Wohnungslosenhilfe e.V. 2010: 1). Wohnungslose Personen sind in Zeiten der Corona Pandemie besonders bedroht. Im Rahmen einer Umfrage der BAG Wohnungslosenhilfe in Bezug auf die aktuelle Situation kam heraus, dass in vielen Punkten bei den Diensten und Einrichtungen Ratlosigkeit herrsche, besonders im Hinblick auf die Mitarbeitenden und das Klientel, sowie die Existenz einer Einrichtung. Zudem wird kritisiert, dass Politik und Verwaltung aktuell zu wenig dafür tun, um wohnungslose Menschen zu schützen (vgl. BAG Wohnungslosenhilfe e.V. 2020: online). Diese Meinung vertritt auch der Leiter des Franziskustreffs in Frankfurt, Michael Wies, in einem Interview. “Man müsse es ganz klar so formulieren, es geht für diese Leute ums Überleben” (FR 2020: online). Für wohnungslose Menschen wird es immer schwieriger Behördengänge durchzuführen, Schlafplätze zu finden oder nur einen Kaffee in Tagesstätten zu trinken. Besonders das Schließen von Sozialdiensten stellt wohnungslose Personen vor Schwierigkeiten, welchen begegnet werden muss. Wie kann die Zielgruppe erreicht werden? Die Zielgruppe der Wohnungslosen kann über Bahnhofsmissionen und Notunterkünfte leicht an die Zug-Unterkünfte herangeführt werden, da sie mit eben diesen Institutionen bereits in Kontakts steht. Die Maßnahme knüpft damit an bereits bestehende Gewohnheiten an. Weitere Institutionen der Diakonie, Caritas und dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten können als Multiplikatoren zur Verteilung der Informationen fungieren. Auch können beispielsweise Aktionen in der Zivilbevölkerung gestartet werden, bei denen Menschen, die im Supermarkt einkaufen sich vorher einen Flyer runterladen und diesen dann während des Einkaufes in der Stadt auslegen. Zur expliziten Aufklärung über Corona kann auf bestehende Informationsmaterialien vom Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (Informationsmaterial HMIS) oder von regional agierenden Initiativen wie Straßenblues e.V. zur

Was zeichnet uns gegenüber bestehenden Projekten aus? In Vergangenheit gab es bereits viele erste Ansätze zur provisorischen Unterbringung von Wohnungslosen. Unterkünfte in Kältebussen, U-Bahn-Stationen oder im Bahnhofsgebäude kamen hierbei schon zum Einsatz. Diese Lösungen sind jedoch nicht für die Unterbringung in Zeiten von Ausgangssperren und Quarantänemaßnahmen ausgelegt. Die Unterbringung von Wohnungslosen in leerstehenden Zügen während der Corona-Krise ermöglicht klare und geschlossene Schutzräume und Social Distancing. Nicht nur kann dadurch die Verbreitung des Virus eingedämmt werden. Auch können wegfallende Hilfsstrukturen für Wohnungslose dadurch wieder aufgebaut werden. Unser Projekt zeichnet sich im Charakter insbesondere durch seine leichte flächendeckende Umsetzung in anderen Städten aus. Alle Stakeholder sind bundesweit aktiv und könnten die Vorgehensweisen ihrer Partnerstädte unkompliziert übernehmen. Das macht das Pilotprojekt umso bedeutsamer als funktionierende Blaupause.

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