Problembeschreibung

Kinder und Jugendliche, die nicht in unser Schulsystem passen, werden gerne als “Systemsprenger” bezeichnet. Häufig bewegen sie sich zwischen verschiedenen Projekten hin und her und beenden ihre Schulpflicht, ohne einen Schulabschluss erreicht zu haben. Deshalb nennt unser wissenschaftlicher Experte Robert sie Early School Leaver. Zwar gibt es einzelne Ansätze, diese jungen Menschen zu begleiten und aufzufangen, aber keine bundesweiten Standards, kaum übergreifende Projekte und häufig Auseinandersetzungen zwischen Projekten und Schule, die dazu führen, dass schon Erreichtes wieder verloren geht.

Warum haben wir uns für diese Herausforderung entschieden?

  • Wir wollen Fehler im System aufdecken und dazu beitragen, dass sie behoben werden.
  • Wir wollen mehr Chancengleichheit und eine bessere Umsetzung des Rechtes auf Bildung für alle.
  • Unsere Zielgruppe hat keine Lobby, man ist froh, wenn sie weg sind; wenn sie nicht mehr stören.
  • Wir haben ein Herz für Benachteiligte und wollen ihnen eine Stimme geben.

Was ist aus unserer Sicht das größte Problem, das es hier zu lösen gibt?

  • Die fehlende Zusammenarbeit aller Beteiligten (Schule, Therapie, Eltern, SuS, Sozialarbeit, Jugendhilfe, etc. ).
  • Keine Lobby für Systemsprenger, keine Ursachenbekämpfung.
  • nicht vorhandene Bereitschaft zu schulübergreifenden und/oder digitalen Lösungen.
  • Das selektive Schulwesen fördert die soziale Ungleichheit.
  • Der ungünstige Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Schulerfolg bzw. Schulwahl.
  • Die Erfüllung der Schulpflicht statt das Erlangen einer Grundbildung treiben langsame, traumatisierte oder sonst nicht konforme in die Sonderschulen oder ganz aus der Schule.
  • Kinder dem System anpassen zu wollen, statt das System den Kindern.

Wer ist von dieser Problemstellung betroffen?

  • Kinder mit Migartionshintergrund
  • Langfristig erkrankte Kinder
  • Kinder aus bildungsfernen Haushalten
  • Kinder mit emotionalen/sozialen Störungen
  • Kinder, die sich nicht an das System anpassen lassen
  • Lehrer_innen und andere Betroffene, die das System ändern wollen, aber nicht können

Lösungsbeschreibung:

Um Kindern und Jugendlichen systematisch zu helfen und dabei das System zu verändern, sind folgende Aspekte wichtig:

  • Betroffenen systematisch und in einem geschützten Rahmen eine Stimme geben, so dass IHRE Anliegen und IHRE Wahrnehmung der Situation gehört wird und mit in das weitere Vorgehen einfließt
  • Kinder und Jugendliche, die schlechte Schulerfahrungen haben, systematisch von anderen Kindern und Jugendlichen mit ähnlichen Erfahrungen begleiten zu lassen, um aufzuzeigen, welche Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven es gibt. “Du bist nicht allein”
  • Schule und alle mit dem Kind befassten systematisch mit einzubeziehen, mit dem Kerngedanken des “Halten-Wollens” und der Vernetzung Was ist Euer Lösungsansatz?
  • Junge Menschen, von denen jeder froh ist, wenn sie weg sind wollen wir eine Stimme geben
  • Schriftsprache ist ein häufig ein Problem, deshalb Sprachnachrichten als Kommunikationsmittel
  • Systemsprenger können anonym ihre Stimme auf einer Webseite für 2 Minuten veröffentlichen lassen
  • Ein Podcast greift Themen rund um System und Systemsprenger auf
  • Ein geschlossener Chat bietet einen Austausch und die Möglichkeit zur Vernetzung
  • Ein Mentorenprogramm kann sich aus den Interessenten entwickeln: Betroffene helfen Betroffenen
  • Auf sozialen Medien wird die Webseite vernetzt und bekannt gemacht (Tiktok, Insta, Twitter)
  • Zur Verfügung stellen einer Handreichung für regelmäßige digitale jour fix mit dem Kind UND aller, die mit dem Kind arbeiten, z.B. Familie, Schule, Integrationkraft, Therapeuten, Jugendamt. Dafür werden Umgangsregeln & Abläufe erarbeitet, die eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe ermöglichen.
  • Wir wünschen uns die Ausstattung bedürftiger Schüler mit Hardware, vergleichbar mit Instrumenten bei Jeki digitaler Sprachkurs bei Migranten, erst Sprache, dann Schule und digitale Lernförderung

Von welchen Annahmen gehen wir bei Eurem Lösungsansatz aus?

  • Es gibt keine zentrale Stelle/Resource, die sich beständig mit dem Problem auseinandersetzt, wie man verhindern kann, dass sich Systemsprenger entwickeln, was verändert werden muss, was sie brauchen, auf wen sie hören, wie sie in Schule integriert werden können trotz tiefgreifender Bildungslücken
  • Systemsprenger explodieren, andere implodieren und sind nicht so sichtbar, kämpfen aber genauso nur anders, eine Kommunikationsplattform gibt allen gleichermaßen die Chance sich zu äußern und zu vernetzen, um gemeinsam stark zu sein tatsächlich etwas zu verändern
  • Potentiale werden verschwendet. Unsere Gesellschaft leistet sich eine ganze Personengruppe aufzugeben und ins Abseits zu schicken, statt ihre Ressourcen angemessen zu fördern und in gesellschaftlich-demokratische Rahmen zu bringen
  • Digitale Lernförderung muss eine gleichberechtigte förderfähige Leistung werden

Wer profitiert von dieser Lösung? Wer nutzt diese Lösung?

  • Jedes Kind
  • Schüler und Schülerinnen
  • Schulsystem
  • Lehrer_innen
  • Familie
  • Gesellschaft
  • Wirtschaft

Welchen Einfluss hat unsere Lösung auf die aktuelle Situation?

Systemsprenger hätten eine Chance auf

  • ein besseres Lebensgefühl
  • Bildung
  • Schulabschluss
  • Zukunftsperspektive
  • Wirtschaftlich unabhängiges, selbstbestimmtes Leben durch wirtschaftlich ergiebiges Arbeiten

Was ist der langfristige Wert unserer Lösung?

  • Die Teilhabe von Systemsprenger an der Gesellschaft anstatt in sozialer Isolation oder in Kriminalität zu enden
  • Inklusion: Systeme und Systemsprenger begegnen sich und lernen von einander
  • Systeme verändern sich, vielleicht sogar ohne Sprengung

Wie bewerten wir selbst die Umsetzbarkeit und Skalierbarkeit unserer Lösung?

  • Einfache, schnelle und kostengünstige Umsetzung ist sofort möglich
  • Nachhaltiges Angebot
  • hoher Nutzen für Systeme, aber auch für die, die sich als Systemsprenger verstehen
  • Es steht und fällt mit dem anfänglichen ehrenamtlichen Einsatz eines Teams, welches langfristig durch Betroffene ersetzt werden könnte, sofern sie nicht schon jetzt dabei sind

Vorgehen und Fortschritt: Wie ist der Lösungsansatz entstanden?

Impuls aus der Wissenschaft (Robert):

  • "SuS die man als Systemsprenger definiert nennen wir in der Forschung auch Early School Leavers, da sie häufig die Schule ohne Abschlüsse verlassen und da gibt es den Handlungshebel der Schulsozialarbeit. Diese Kids brauche Beziehungen Zu Vertrauenspersonen und zu Vorbildern (Stichwort soziale Paten)"
  • "Die Schulen benötigen für das Problem des Schulversagens oder Schulabstinenz (meistens die Vorstufe vor dem Austreten) unbedingt wie in anderen skandinavischen Systemen, multiprofessionelle Teams die ganz selbstverständlich zum Schullalltag gehören (Logopäd*innen, Ergotherapeut*innen, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen etc.)"

  • Unsere Zielgruppe ist meist nicht in der Lage die Stimme zu erheben, um konstruktiv etwas zu bewirken. Unsere Kommunikationsplattform soll ihnen helfen dies zu üben und zu nutzen. Sie sind für uns Experten für die Probleme von innen und von außen. Wir fragten uns, wer ihnen zuhört und auf wen sie hören würden. Wir denken deshalb an ein an die Idee von AA angelehntes anonymes “Betroffene unterstützen Betroffene”-Informations- und Mentorenangebot

Was waren die wichtigsten Meilensteine während der Hackathon Woche?

  • Meist 3 Team-Calls am Tag
  • Expertengespräche
  • Die Entscheidung für ein konkretes Projekt

Beschreibung des Status´ am Anfang des Hackathons und der Fortschritt während der Woche

  • Als Masterstudierende bearbeite ich das Projekt “Brückenklasse” für Systemsprenger und hatte den Wunsch mit einem Team die Zielgruppe mit Blick auf Schule zu thematisieren. Auch in der Hoffnung konkrete Schritte für mein Projekt zu bekommen, welches vor allem Coroana-bedingt in der Entwicklung zur Realisierung feststeckt.
  • Die erste Zusammensetzung im Team war perfekt vielschichtig: Experten aus Wissenschaft, Inklusion, Technik, Schule, Coaching, Sozialarbeit fanden sich zum ersten Austausch über die Zielgruppe und die Fehler im System.
  • In der zweiten Teamphase kristallisierte sich ein Kernteam heraus aus Lehrer-, Schülerschaft Integrationshilfe, Sozialarbeit, Inklusion und Coach. Die anfänglichen Experten flankierten die Entwicklung zu einem konkreten Projekt
  • In der dritten Teamphase dampfte das Team alle Gedanken und Ideen in das Kommunikationsmittel-Trichter-Konzept: Auf sozialen Medien wird auf die Kommunikationsplattform eingeladen. Auf der Plattform finden sich anonyme Geschichten in Form von Sprachnachrichten und einem Podcast. In einem geschlossenen Betroffenen-Chat kann man sich kennenlernen, vernetzen und unterstützen. Optional kann sich ein weiterer Schritt entwickeln: feste Sprechstunden von ehemals Betroffenen für Betroffene und ein Mentoringprogramm. Ein jour fix von Betroffenen und den Systemen wird als Ideallösung empfohlen und gefördert.
  • Die letzte Teamphase ist die Erstellung des Videos mit Aufgabenverteilung und die Entwicklung einer “was ist danach”-Perspektive. Austausch von Email-Adressen.

Nächste Schritte:

  • Wie testet wir unsere Annahmen?

Im Team sind Praktiker im Problemfeld, unser Erfahrungswissen ist in die Projektentwicklung eingeflossen. Die Befragung von Betroffenen im direkten Umfeld ergab schon jetzt, dass eine große Begeisterung vorliegt und die Bereitschaft sich einzubringen vorhanden ist.

  • Was ist aus unserer Sicht der nächste Schritt in Richtung Umsetzung?

Sichern einer Webseite, sobald der Name feststeht. Diese kann recht schnell und einfach eingerichtet werden. Ein Redaktionsteam verpflichtet sich für ein Jahr zur ehrenamtlichen Weiterentwicklung des Projektes.

  • Was benötigen wir für den nächsten Schritt (Ressourcen, Know-How, Budget)?

Rechtsberatung, technische Entwicklungsunterstützung, personelle und finanzielle Ressourcen werden benötigt, um bei Bedarf Experten und Fachpersonal einsetzen (Technik, Realisierung, Journalismus). Ideal wäre natürlich eine Personalstelle (Teilzeit, Halbtags oder voll) einrichten zu können. Je mehr Zeit dafür ist, desto mehr kann man das Projekt ausbauen. Eine Anbindung an die Wissenschaft wäre auch interessant.

  • Sind wir als Projektteam selbst an der Umsetzung interessiert? Wenn ja, wer hat welche Rolle im Team?

Wir sind motiviert und können uns vorstellen, dass ein Teil unseres Teams die Umsetzung vornimmt. Wenn die Plattformen eingerichtet sind, würde jeder in der Rolle als Redaktionsmitglied ehrenamtlich eine Woche Dienst machen, um das Konzept am Laufen zu halten. Wir würden uns im Quartal online treffen, um die Weiterentwicklung und anstehende Entscheidungen zu besprechen. Meine Rolle als Steuerungskapitän könnte für das erste Jahr erstmal bleiben, es ist aber auch gut denkbar, dass ein anderes Teammitglied diese Aufgabe übernehmen will. Es braucht halt eine Person, die alles zusammenbringt und zusammenhält, Meetings einberuft und den Prozess steuert. Alle gemeinsam sind gleichwertige Redaktionsmitglieder.

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