Worum es geht
Menschen reihen sich entlang der Fußwege, warten, starren, treten unruhig von einem Fuß auf den anderen. Wer sind sie? Was beschäftigt sie? Wie gehen sie mit der aktuellen Lage um?
Unser Projekt “Zeit für Fragen” beschäftigt sich mit derzeit häufig auftretenden Situationen von Warteschlangen und möchte auf analogem Wege Stimmungsbilder visualisieren. Mitbürger:innen sind dazu angeregt, ihre Wartezeit vor Apotheken, Arztpraxen, Drogerien und Ähnlichem für spontane Reflektionsarbeit nutzen. In die Warteschlange integrierte Fragen auf Boden, Wänden und kleinen Wartenummer-Zetteln, versuchen die Leser:innen auf andere Gedanken zu bringen, diesen Hoffnung zu schenken und ihre omnipräsenten Ängste für einen Moment zu vergessen. Gleichzeitig entsteht niedrigschwellig und spielerisch eine analoge Vernetzung an Geschichten, Hilfsangeboten oder Hilferufen, die besonders für ältere Bürger:innen eine wichtige Möglichkeit der Kommunikation darstellt. Die eigene Situation wird in Relation gesetzt, Freude und Leid geteilt und ausgetauscht. Körperliche Distanz, soziale Nähe.
Wie wir vorgehen
Das Grundprinzip dieser partizipativen Aktion sind nachbarschaftliche Solidarität und Empathie. Für die Umsetzung haben wir 3 Aktionsformen entworfen, die den Bürger:innen ihre Wartezeit erleichtern sollen.
1_Positionsspiel_ Entlang der Fußwege wird pro Wartefeld im 2m-Abstand eine Frage gestellt, zu der sich die Wartenden spielerisch auf einer Skala von 1-5 bzw. im Ja/Nein-Muster positionieren können. 2_Notizwände_ An Hausfassaden und Mauern entstehen im 2m-Abstand Themenwände mit wachsenden Sammlungen an Gedanken. Gezielte Fragen, Zettel und Bleistifte zum Mitnehmen regen zur Teilhabe an. 3_Schlangen auflösen_ Der Wartenummerautomat vor Läden mit Besucherandrang spuckt Zettel mit zusätzlichen Aktions-und Fragekarten aus. So können sich die Leute vereinzeln, entspannen und über ihre Fragen nachdenken, ohne den Verlust ihrer Warteposition fürchten zu müssen.
Zudem entstand ein Fragenkatalog, bestehend aus Skala-Fragen, Ja-Nein-Fragen, individuellen Fragen und kleinen Aktionskarten, die auf unsere 3 Aktionsformen angewendet werden können. Von der einfachen ad hoc Entscheidung zum tiefgründigen Grübeln und Austausch.
Was wir uns dabei gefragt haben?
Wie erreichen wir auch ältere Menschen der Bevölkerung, wenn nicht auf analogem Wege? Wie soziale Interaktion im Freien schaffen, wenn ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden muss? Werden Mitbürger:innen dieses spielerische Angebot annehmen? Welche Fragen schüren nur noch mehr Ängste und welche schenken Mut und Hoffnung?
Was folgt?
Eine Versuchsaktion in euren Städten! Schnappt euch Kreide, Tape, Zettel und Stifte und versucht Stimmungen und Gedanken unserer Mitbürger:innen in diesen kleinen Interventionen einzufangen. Möglich ist außerdem, einen Prototypen des Wartenummer-Automaten herzustellen, um zu testen, ob dieser die ewigen Warteschlangen zu entspannen vermag. Nutzen wir unsere Wartezeit gemeinsam!
Built With
- analogue
- chalk
- creativity
- paper
- photoshop
- questions
- tape
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