Inspiration

Viele Menschen weltweit erleben im Laufe ihres Lebens eine schwere Verletzung, Krankheit oder Beeinträchtigung, die sie über einen längeren Zeitraum an ein Krankenbett fesselt. Häufig geht mit diesem Umstand eine teilweise oder vollständige Bewegungsunfähigkeit einher. Natürlich stellt das eine große Belastung für die Psyche der Betroffenen dar, da diese mit Einschnitten in Bewegungs- und Handlungsfreiräume kämpfen müssen. Allein in Deutschland sind jährlich hunderttausende Patient:innen von diesen Einschränkungen betroffen.

Häufig erfahren bettlägerige Menschen Isolation und Einsamkeit, da persönlicher und medialer Austausch aufgrund des Zustands in der Regel fast zum Erliegen kommt. Außerdem sinkt die Lebensqualität zusätzlich durch die beschnittene Selbstbestimmung. Darüber hinaus hat die lange Inaktivität auch körperliche Konsequenzen wie Lungenentzündungen oder Thrombosen, die zum Tode führen können.

Das Projekt Recomo kann Menschen aller Altersgruppen unterstützen, ihre eingeschränkte Handlungsfähigkeit auszuweiten. Zusätzlich können die Sensoren von Recomo zur spielerischen Unterstützung von sportlicher Betätigung im Bett genutzt werden. Das kann den allgemeinen Zustand von Patient:innen sowie den Behandlungsfortschritt positiv beeinflussen und ultimativ Leben retten. Jeder von uns hat einen geliebten Menschen, der stationär behandelt wurde oder wird. Mit Hilfe von Recomo wollen wir es diesen Menschen ermöglichen, ihr Leben in dieser schweren Zeit so gut und selbstbestimmt wie möglich fortzusetzen.


Was es tut

Unser Ziel ist es, mit Hilfe von Recomo bettlägerigen Menschen wieder den Anschluss an Gesellschaft und Sozialleben zu ermöglichen. Hierfür bieten wir eine Sensorik, die Bewegungsansätze erkennen kann. Zusätzlich haben wir eine Softwarekomponente entwickelt, die die Ansteuerung unterschiedlichster Endsysteme unterstützt. Dadurch wollen wir Patient:innen jeweils die Nutzung der Systeme ermöglichen, die diese gerade benötigen.

Ein Sensorknoten kann beispielsweise am Arm, Bein oder an einer Brille angebracht werden. Hier erkennt er selbst kleine Bewegungen, die jeweils noch möglich sind. Diese Bewegungen steuern dann eine grafische Benutzeroberfläche. Über diese kann der/die Patient:in wichtige Funktionen steuern – sei es eine Fernbedienung für den Fernseher, die Aktivierung der Notfalltaste im Krankenhaus oder Videotelefonie.

Die Sensorik erlaubt es, Bewegungen zu verfolgen und darzustellen, sodass ein unterstütztes Training im Bett möglich wird. Spielerische Visualisierung erhöht die Motivation, sich fit zu halten.

Recomo ermöglicht es, Funktionen und Aktivitäten wahrzunehmen, die durch den gesundheitlichen Zustand aktuell anderenfalls nicht möglich wären. Der/die Patient:in kann das System für Zeitvertreib oder Kommunikation nutzen, wird zur körperlichen Ertüchtigung motiviert und kann ein Stück seiner/ihrer Selbstbestimmung zurückgewinnen.


Wie wir es gebaut haben

Zur Erfassung der Eingaben verwenden wir Bewegungssensoren, die mit Hilfe eines Mikrocontrollers ausgewertet werden. Erkannte Bewegungen werden dann an einen angeschlossenen PC gemeldet. Dieser führt eine Schnittstelle aus, die Eingabegeräte von den Ausgabesystemen trennt. Dies ermöglicht die flexible Anbindung der Endgeräte, die der/die jeweilige Patient:in wünscht. Zusätzliche Ein- und Ausgabegeräte können mithilfe einer Plugin-Infrastruktur angebunden werden, was auch die Anbindung proprietärer Systeme ermöglicht.

Für die Befestigung der Sensorik wurden 3D-gedruckte Halterungen designt, die beispielsweise an Körper, Kleidung oder der Brille befestigt werden können. Die Elektronik ist klein genug, um durch ihr Gewicht nicht negativ aufzufallen. Die Software kann auf einem beliebigen PC ausgeführt werden, entweder zentral innerhalb eines Netzwerks oder in unmittelbarer Nähe der Patient:innen. Mithilfe von Unity wurde zudem eine simple Menüoberfläche entwickelt, die zur Demonstration späterer Anwendungsfälle dient. Hier können Patient:innen ein Kartenspiel spielen, Anrufe tätigen oder den Notruf aktivieren.


Herausforderungen, die wir überwunden haben

Verletzungen oder Krankheiten dieser Art können jeden Menschen treffen. Daher musste Recomo flexibel auf unterschiedliche Anwendungsgebiete anpassbar aufgebaut werden. So müssen nicht nur verschiedene Einschränkungen der Mobilität in Betracht gezogen werden, auch der unterschiedliche technische Wissensstand der Patienten stellt eine große Herausforderung dar.

Die Entwicklung von Hardware stellte sich zudem pandemiebedingt als schwierig heraus. Das Team musste sich mit eigenen 3D-Druckern und Videotelefonie behelfen. Der Entwicklungsprozess wurde dadurch deutlich in die Länge gezogen.


Errungenschaften, auf die wir stolz sind

In 48 Stunden ist es uns gelungen, ein System zu entwickeln, das erfolgreich die Bewegungsansätze von bettlägerigen Patient:innen erkennen kann. Zusätzlich haben wir eine Schnittstelle geschaffen, die den Anschluss unterschiedlichster Systeme ganz nach den jeweiligen Vorlieben ermöglicht.

Mithilfe des Feedbacks der Update Deutschland Community konnten wir unsere Zielgruppen besser verstehen und uns im Bereich Usability noch einmal deutlich verbessern.

Wir konnten unsere Zeit nutzen, um mögliche Anwendungsfälle für Recomo zu demonstrieren und ein erweiterbares Grundsystem aufzubauen, mit dessen Hilfe in Zukunft das Leben von bettlägerigen Patient:innen verbessert werden kann.


Was wir gelernt haben

Der Hackathon hat uns als Team gezeigt, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Jeder bringt eigene Perspektiven und Expertisen ein, die zusammengenommen ein großes Potential entwickeln können.

Der Input der Update Deutschland Community hat uns zudem gezeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig Mitglieder der Zielgruppen sowie Krankenpfleger und potenzielle Kooperationspartner aufzusuchen. So kann man seine eigene, technische Sicht ablegen und das große Ganze betrachten.

Ein wertschätzender Umgang miteinander und hierarchiefreie Zusammenarbeit hat uns ermöglicht, in 48 Stunden Ungeahntes auf die Beine zu stellen. Diese Erfahrung werden wir auch außerhalb des Hackathons mitnehmen.


Was kommt als nächstes für Recomo?

Zunächst ist die Einbindung von Zielgruppen und die Gewinnung von Kooperationspartnern wichtig. Wir wollen unser Produkt möglichen Interessent:innen vorstellen und Feedback für notwendige Features und Vorlieben sammeln. Zusätzlich ist die Einbindung möglichst vieler gängiger Endsysteme ein wichtiges Ziel.

Die Erprobung der Sensoren im Einsatz steht ebenfalls noch aus. Unsere Tests zeigen vielversprechende Ergebnisse, diese müssen aber in der Praxis noch bestätigt werden.

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