Im gesellschaftlichen Diskurs ist das Thema Wirtschaft und Unternehmertum oft (latent) negativ konnotiert. Durch eine nicht gerechtfertigte mediale Gleichsetzung von Wirtschaft, Unternehmertum und "Kapitalismus" wird im Zuge der allgemeinen Kapitalismuskritik ("Profitstreben", Verwerfungen auf den Finanzmärkten, individuelles Fehlverhalten) unternehmerisches Denken und Handeln nicht gefördert und (junge) Menschen suchen sich andere gesellschaftliche Betätigungsfelder. Unternehmertum ist in Deutschland in der medialen und intellektuellen Debatte augenscheinlich nur statthaft, wenn es zwingend "sozial" ist. Das gesellschaftliche "Belohnungssystem" führt dazu, dass sehr kreative und begabte Menschen lieber Tätigkeiten im Staatsdienst, in der akademischen Grundlagenforschung oder in gemeinnützigen Organisationen vorziehen, da dort mehr soziale Absicherung und/oder soziale Reputation gegeben ist. Die Negierung der Abhängigkeit der volkswirtschaftlichen Entwicklung durch Unternehmertum und Innovation führt dazu, dass Deutschland in den letzten Jahren hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist und andere Länder eine günstigere Entwicklung vorzuweisen haben, teilweise in Bereichen von Schlüsseltechnologien oder neuen Geschäftsmodellen an Deutschland vorbeigezogen sind. Reine Inputgrößen wie Ausgaben für F&E (in der akademischen Grundlagenforschung) und Anzahl von Patentanmeldungen sind nicht hinreichend für Innovation, volkswirtschaftliches Wachstum und Erfolg am Markt. Mithin wird das BIP nicht gesteigert und es werden nicht mehr zukunftsweisende Arbeitsplätze geschaffen.

Es wird vorgeschlagen, das Thema Unternehmertum und schöpferischen Tatendrang durch ein Bündel an kommunikativen Maßnahmen wieder zu fördern bzw. positiv zu besetzen und hierbei verschiedene Kanäle zu bespielen. Wichtig ist eine koordinierende Funktion eines Trägers oder eines Konsortiums. Viele Aspekte sind heute schon nach Suchen zu finden, aber es liegt eine gewisse Defokussierung oder auch eine fachliche Silobildung vor. Für die Steigerung der Aufmerksamkeit und für den Start eines gesellschaftlichen Dialogs bzw. mindset-Wechsels ist eine Orchestrierung der Maßnahmen über einen längeren Zeitraum notwendig.

a) Klassische Unternehmerpersönlichkeiten aus Deutschland ("Land der UnternehmerInnen" oder "Made in Germany") vorstellen: Robert Bosch, Werner von Siemens, Konrad Zuse, Margarete Steiff, Rudolf Diesel.....Lebensgeschichte, Taten, Erfolge, Nachwirkungen. Besondere Berücksichtigung des unternehmerischen Tatendrangs und der Überwindung von Widerständen). Mit so vielen guten Beispielen benötigen wir m.E. weniger input von Elon Musk oder Steve Jobs.

b) Von a) überleiten auf junge Gründer und die moderne start-up-Szene in Deutschland. Hier kann dann auch die heutige Diversität in Deutschland mit ins Spiel gebracht werden. Es bietet sich an, a) und b) auch zu verknüpfen. So z.B. die "Erben" von Siemens, Zuse, Steiff, Diesel zu thematisieren.

c) Positives Leitbild des Unternehmers gemäß Joseph Schumpeter fördern und promoten: Vorstellung der Konzepte von Schumpeter, seine Gedankenwelt, seine Bücher und Schriften, seine Schüler und wissenschaftlichen Erben. Insbesondere gibt es viele Zitate und Aussagen von Schumpeter zur Unternehmer-Persönlichkeit. Man könnte sogar eine längere Kampagne mit "Schumpeter Zitat des Tages" etablieren. Zu c) bietet sich an Universitäten, Volkswirtschaftler, Historiker mit einzubinden.

d) Positives Leitbild einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung: Liberalismus und Soziale Marktwirtschaft, z.B. mit den (historischen) Vordenkern Ludwig von Mises, Walter Euken (ihre Schriften und Thesen). Marktwirtschaft und Bedienung von Kunden als sehr "demokratisches Prinzip der Meinungsbildung". Was gut, sinnvoll und nachhaltig ist wird von aufgeklärten Kunden gekauft, schlechte oder nicht nachhaltige Produkte eben nicht. Wirtschaftlicher Erfolg als Fundament für gesellschaftliche Weiterentwicklung Neben Universitäten und Forschungsinstituten können hier auch Fachgesellschaften mit hinzugezogen werden: Ludwig von Mises Gesellschaft, Peter-Drucker Gesellschaft. Scharf abzugrenzen wäre hiervon ggf. der Finanzmarktkapitalismus angloamerikanischer Prägung mit den teilweise tatsächlich kritikwürdigen Entwicklungen der letzten Jahre.

e) Unternehmerische Erfolgsgeschichten made in Germany (oder made in Europe) besser medial begleiten oder hervorheben. Stärkere Promotion europäischer Leistungen durch Unternehmertum: Galileo und Gaia-X als Beispiel. Hierüber ließt man viel zu wenig, es wird von relevanten Stimmen in der Gesellschaft (NGO, Politik) viel zu wenig hervorgehoben. Vorbilder und Erfolgsgeschichten werden mehr aus Amerika importiert.

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