Inspiration /Gesellschaftliche Herausforderung / Gesellschaftlicher Mehrwert

Die mehr als 940 Tafeln in Deutschland unterstützen jedes Jahr über 1,6 Millionen bedürftige Menschen. Davon sind rund ein Drittel Kinder und ein Viertel Senioren. Kaum zu glauben, was passiert, wenn diese nicht mehr mit den benötigten Lebensmitteln versorgt werden. Und genau vor solch einer Herausforderung stehen wir jetzt. Die Tafeln in Deutschland sind stark von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Laut eigener Angabe haben über 200 Tafeln ihren Betrieb vorübergehend eingestellt, andere haben einen Notbetrieb mit minimalen Kontakten eingerichtet. Ganz egal, ob die Tafel vor Ort bereits geschlossen oder noch geöffnet ist – alle benötigen Unterstützung!
(https://www.tafel.de/ueber-uns/aktuelle-meldungen/aktuelle-meldungen-2020/corona-pandemie-tafeln-unterstuetzen-aber-wie/)
Neben Lebensmittelspenden, die in Zeiten von Hamsterkäufen immer weniger werden, sind die Abholung und Verteilung der Lebensmittel sowie das Finden neuer Ehrenamtlicher, die nicht zur Risikogruppe gehören, große Herausforderungen. Hierfür werden kreative Lösungen gebraucht, die den Tafel-Betrieb trotz der aktuellen Bedingungen sicherstellen. Genau diesen Herausforderungen hat sich das übergeordnete Projekt "Reorganisation der Tafeln" unter dem Titel "Die Tafel und Du" angenommen. In unserem Teilprojekt "lebensmittelspende.org" haben wir uns auf die Akquise von Lebensmitteln und neuen Spendern - sowohl gewerblich als auch privat - fokussiert.

What it does

Wir bieten einen Online-Marktplatz an, der es Spendern ermöglicht Lebensmittel für die Tafeln anzubieten. Diese angebotenen Waren können dann von den Tafeln vor Ort direkt bestellt werden. Als Basis wurde uns dafür vom Verein Fairdirect e.V. die existierende Epelia Plattform open-source zur Verfügung gestellt, die wir im Rahmen unseres Projekts für diesen Zweck entsprechend weiterentwickelt und vereinfacht haben. Bei abgepackten Lebensmitteln ist geplant, dass Spender eine App nutzen können, um den Barcode des Produkts einzuscannen. Die entsprechenden Daten zu den Waren werden dann aus der open-source Datenbank openfoodfacts.org abgerufen. Die Tafeln können die Produkte dann über den Online-Marktplatz auswählen und bestellen: einfach, schnell, unbürokratisch und kontaktlos!
Separate Projekte, mit denen gemeinsame Schnittstellen definiert wurden, übernehmen die notwendige Logistik und die Organisation der Helfern. Eine groß angelegteMarketing-Kampagne schafft zusätzlich Awareness für das Problem der Tafeln und mobilisiert für die Solidarität mit bedürftigen Menschen in Zeiten der Krise. So werden kurzfristig neue Spender angeworben, die bisher noch nicht mit der Tafel zusammenarbeiten. Unsere Zielgruppen sind vor allem Gastronomie, Lebensmittel- und Großhändler, Kantinen und perspektivisch auch Privatpersonen. Um Spender zur Teilnahme zu motivieren, wird ein eigenes Label als Auszeichnung vergeben. Die Kampagne steht unter dem Motto "Die Tafel und ich":
Ich mache mit und zeige Solidarität in dieser verrückten Zeit!
Ich mache mit und rette Lebensmittel!
Ich mache mit und mache es sichtbar.
Ich mache mit - Die Tafel und ich!

How we built it

Innerhalb unseres Teilprojekts haben wir zunächst folgende Untergruppen gebildet:

  • Recherche & Öffentlichkeitsarbeit sowie Schnittstellenkoordination
  • User Stories
  • Development.

Hierbei haben wir die Untergruppen aber eher als fluide betrachtet und keine fixen Zuteilungen unserer Teammitglieder vorgenommen.

Team Recherche, Öffentlichkeitsarbeit und Schnittstellenkoordination
Das Team Recherche, Öffentlichkeitsarbeit und Schnittstellenkoordination kümmerte sich zunächst um die Beschaffung von Informationen. Grundlegende Fragen waren hierbei beispielsweise: Wie sind die Tafeln organisiert? Welche bestehenden Strukturen können genutzt werden? Welche Anforderungen werden an die abzugebenen Lebensmittel gestellt?
Über die Recherchetätigkeiten hinausgehend, befasste sich dieses Sub-Team vor allem mit der Koordination der Schnittstellen zu den anderen Teams, die mit an der Reorganisation der Tafeln arbeiten. Ziel hierbei war es einen übergreifenden Value sowie eine reibungslose Verzahnung der einzelnen Ideen des Projekts sicherzustellen.
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wurde ein Grobkonzept entwickelt, das die folgenden Punkte umfasst:

  • Wer sind die Zielgruppen? --> Tafeln als Kunden; Gastronomie, Lebensmittel- und Großhändler als Spender; Privatpersonen als Spender werden im nächsten Schritt miteinbezogen
  • Über welche Kanäle werden die Zielgruppen angesprochen? --> Verbände als Multiplikatoren (z.B. Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), Social Media, Schirmherren aus Politik und Gesellschaft, bestehende Initiativen nutzen (z.B. Initiative "Zu gut für die Tonne" des BMEL oder "kauf-eins-mehr"), Netzwerk der Tafeln nutzen und direkte Ansprache

Team User Stories
Die Arbeiten des Sub-Teams "Recherche, Öffentlichkeitsarbeit und Schnittstellenkoordination" flossen unmittelbar in die Arbeit des Sub-Teams "User Stories" ein, in dem auf dieser Informationsgrundlage entsprechende User Stories aus Sicht der Spender, aus Sicht der Tafeln als Kunden und aus Systembetreibersicht (IT-Security & DSGVO-Aspekte) für die Martkplatzplattform lebensmittelspende.org abgeleitet wurden. Die Gesamtheit der abgeleiteten User Stories wurden anschließend nach MUST HAVE, COULD HAVE und NICE TO HAVE priorisiert, um den Scope des Minimal Lovable Products (MLPs) für unsere Teil-Projektgruppe zu definieren. Hierbei wurde, aufgrund der Bestimmungen, dass Privatkunden keine kühlkettenpflichtigen Lebensmittel abgeben dürfen, beschlossen, sich im Rahmen des MLPs zunächst nur auf gewerbliche Lebensmittelspender zu konzentrieren. Diese User Stories waren wiederum der Input für das Sub-Team "Development".

Team Entwicklung
Die Entwicklung der Anwendung basiert auf der bereits bestehenden Marktplatz-Software "Epelia", eine Eigenentwicklung die vom Verein Fairdirect e.V. am 20. März 2020 als Basis dieses Projekts unter einer Open Source Lizenz (AGPL) veröffentlicht wurde. Diese Marktplatz-Software ist nun neben Fairmondo eine der ganz wenigen Open Source Lösungen für Marktplätze, und die einzige, die speziell auf Lebensmittel ausgerichtet ist. Diese Software verwendet PHP als Programmiersprache, Zend 2 als Framework und PostgreSQL als Datenbank. Die Grundidee, die Vermittlung unverkäuflicher Lebensmittel als "Marktplatz ohne Preise" aufzufassen, ermöglichte es, eine Marktplatz-Software als Basis zu verwenden. Gegenüber einer kompletten Neuentwicklung spart das geschätzt 90% an Entwicklungsaufwand und ermöglicht einen zeitnahen Start.

Unter anderem arbeitete das Entwicklerteam an:

  • Anpassung der Produkt-Anzeige für die Anforderungen einer Spendenplattform für Lebensmittel (Anzeige von Preisen ausbauen (bzw. auf Null setzen), Anzeige der noch verfügbaren Menge angebotener Produkte)
  • Installation unter lebensmittelspende.org inkl. neuem Logo etc.
  • Vorgaben für AGBs und Datenschutz ermittelt
  • Auswahl Open Food Facts Android-App als Basis der App zur Produkteingabe
  • API-Entwurf zur Anbindung der App mit der Produkte per Barcode-Scan und Abruf offener Produktdaten von Open Food Facts eingegeben werden

Der Quellcode steht auf GitHub unter der AGPL Lizenz zur Verfügung: https://github.com/fairdirect/food-donation-platform . (Ausgenommen sind bisher leider kleine Teile der Plattform, die vor einer Open Source Veröffentlichung noch durchgesehen und von ggf. urheberrechtlich geschütztem Material bereinigt werden müssen, begründet in der Entstehungsgeschichte dieser Marktplatz-Software.)

Challenges we ran into

Eine erste Herausforderung in der Gesamtgruppe aller Teilnehmenden war es sich in distinkten Teilprojekten zusammenzufinden, sodass ein Gesamtprojektvorhaben aller Teilprojekte möglich wurde. Durch die daraus resultierende Unterteilung des Gesamtprojektvorhabens der Tafelreorganisation ist dann die Schnittstellenkoordination zu einer Herausforderung geworden, die uns die gesamten beiden Tage des Hackathons begleitet hat. Hier haben wir schnell gemerkt, dass diese Aufgabe in unserem Team konsequent von den gleichen Personen verfolgt werden muss, um einen kontinuierlichen und fehlerfreien Informationsfluss zwischen den übrigen Tafel-Reorganisations-Projektteams (Lefat, Logistik & Routenplanung, freiwillige Helfer) zu gewährleisten.
Eine weitere inhaltliche Herausforderung, der wir im Laufe der beiden Tage begegnet sind, ist die Vorgabe der Tafeln, dass sie keine kühlkettenpflichtigen Lebensmittel von Privatpersonen entgegennehmen dürfen. Aufgrund dessen haben wir den Scope unseres MLPs auf gewerbliche Lebensmittelspender eingeschränkt.

Accomplishments that we're proud of

  • Wir haben es geschafft, zusammen mit den anderen Teams, einen kompletten Lebenszyklus abzubilden, der von der Warenbeschaffung bei den Spendern bis zum bedürftigen Verbraucher alle notwendingen Prozessschritte abdeckt.
  • Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit zu Projektteams zusammengefunden und produktiv gemeinsam gearbeitet ohne uns jemals zu begegnen. Eine tolle Erfahrung!
  • Die Konzeptionierung der einfachen Anwendung und des Labels (Ich mache mit - Die Tafel und ich!) als Aushängeschild hat das Potenzial einen ganz neuen Kreis an Spendern für die Tafel zu akquirieren.

What we learned

  • Jeder kann einen Beitrag zum Projekt leisten, egal aus welcher Fachrichtung Expertise mitgebracht wird.
  • Wir haben alle einen neuen und tiefen Einblick in die Struktur und die Arbeit der Tafeln bekommen. Wir sehen die Organisation nun mit anderen Augen.
  • Man kann in zwei Tagen echt viel erreichen durch gebündelte Energien und viel Motivation.
  • Die Zusammenarbeit über ganz Deutschland hinweg, ohne sich zu kennen, kann sooo einfach sein.
  • Kommunikation und klare Abstimmung sind das A&O.

What's next

  • App-Anbindung, um Lebensmittel durch Scannen von Barcodes einzustellen. Als Basis wird die Open Food Facts Android-App verwendet.
  • Frontend mit moderner Technik als Single Page Application (SPA) neu realisieren. Planungen dafür sind fortgeschritten: wir beabsichtigen als Lösung ein neues View Layer mit Ausgabe als JSON statt HTML zu erstellen und dies als API zu der SPA zu verwenden. Ebenfalls ermöglicht dieser Schritt es, die letzten Teile der Software unter eine Open Source Lizenz zu bringen.
  • Privatpersonen als Spender miteinbeziehen (MLP zunächst Gewerbliche Lebensmittelspender)
  • Bedürftige Privatpersonen als direkte Kunden einbinden
  • Mobile Version (aktuell ist es noch nur eine Webplattform)
  • Marketing-Kampagne zur Verbreitung der Plattform und zur Gewinnung von Spendern und interessierten Tafeln starten

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