"...wir sollten die Umgebung dem Kind anpassen" (M. Montessori)

- Auf dem Weg zur MonteApp

Die Arbeit mit dem Montessori-Material ist handlungsorientiert und steht für eine pädagogische Ausrichtung, die den Lernenden mit physischem Material die Welt fachlich näherbringt und sie be-greifbar macht.

Bundesweit arbeiten über 1000 Schulen und Einrichtungen nach der Philosophie von Maria Montessori und mit ihrem Material ^1. In der Schule ist dieses Material zugänglich für alle Lernenden und kann jederzeit genutzt werden. Im Fernunterricht ist es ein Leichtes, den Schüler*innen neue Themen darzubieten und sie neugierig auf Neues zu machen, jedoch gibt es keine Möglichkeit das Dargebotene anschließend zu üben.

Denn Montessori-Materialien sind nicht für Kinderzimmer entwickelt worden. Das Original-Material ist sehr teuer – der Kauf der Materialien für den Familienhaushalt nicht zumutbar. [^2] Hier finden Sie den Text zu der Fußnote. Deshalb wollen wir eine App schaffen, die einerseits die klassischen Materialien ins digitale transformiert, gleichzeitig aber auch einen entscheidenden Mehrwert bietet. Dennoch soll den Lernenden der konkrete Umgang mit dem handlungsorientierten Material möglich gemacht werden. Wir wagen den Schritt vom Analogen ins Digitale und lösen damit nicht nur das Problem des Lernens von zu Hause. Apps, die bisher mit einem ansatzweise vergleichbaren Ziel die digitale Arbeit auf Montessori-Art ermöglichen wollen (z. B. Edokiacademy, L'Escapadou, ...), sind nicht zufriedenstellend konzipiert und greifen kaum bis gar nicht die Idee und Philosophie der Montessori-Pädagogik und des "Monte-Materials" auf (vgl. padlet ). Außerdem ist es den Monte-Kindern und -Jugendlichen fast unmöglich, zu Hause den Eltern und Geschwistern zu zeigen, wie sie arbeiten und womit sie arbeiten. Sie können dadurch kaum Unterstützung bieten. So sind also nicht nur die Schüler*innen, sondern auch die unterstützenden Eltern und Geschwister vor die Herausforderung gestellt, zu Hause ohne das gewohnte Montessori-Material zu lernen und die Welt der Mathematik, der Kosmischen Erziehung (= Naturwissenschaften und Friedenserziehung) oder der Sprache zu erfahren.

Warum eine App für Montessori-Material?

Wir übersetzen das analoge "Monte-Material" in eine digitale Version, die übersichtlich, intuitiv und ansprechend aufgebaut ist und die Materialien nicht nur aufgreift, sondern auf visueller und haptischer Ebene erfahrbar und nutzbar macht – als Substitut für zu Hause und unterwegs oder als digitaler Motivator in der Schule.

Das Material wird in kurzen und ansprechenden Explainity-Videos erklärt, sodass nicht nur die Schüler*innen, sondern auch die Erwachsenen von dem Mehrwert der MonteApp profitieren. Stand heute, gibt es keine App für das Lernen nach Montessori .

In der MonteApp finden sich in den Übungssequenzen Materialien zu verschiedenen Themen wieder, sodass nahezu ein 1:1-Transfer vom physischen zum digitalen Material möglich ist. Der physische Kontakt mit dem "Monte-Material" bleibt zwar aus, doch auch daran haben wir gedacht und ein haptisches Feedback für die Aktionen mit beispielsweise dem Rechenrahmen eingefügt. So bekommen die Lernenden bei ihren Ausführungen der Aktionen eine Antwort durch spezielle Vibrationseffekte und -muster, wie zum Beispiel dem Error und begleitend zur Aktion mit dem Finger. Ein Kippen des iPads oder Smartphones bewirkt ein Zurücksetzten der Perlen und imitiert so das Verhalten des analogen Rechenrahmens. Mit dieser simplen, aber effektiven Transformation des "Monte-Materials" in die MonteApp können auch motorisch eingeschränkte Schüler*innen die Themenbereiche ergründen. [^3]

Die MonteApp ebnet den Weg für ein selbstständiges Arbeiten und Lernen von zu Hause und sogar für unterwegs im Auto, im Wartezimmer oder im Freien. Die App zeichnet sich außerdem durch die Partizipationsfunktion für die Eltern und Geschwister aus und dient somit dem homogenen Verständnis für die Themenbereiche Mathematik, Sprache und Kosmische Erziehung.

Von der Idee zur App

Lange Zeit standen die Vertreter*innen der Montessori-Pädagogik Digitalisierung skeptisch gegenüber und haben iPad & Co nur widerwillig Zugang zu den Klassenzimmern gewährt, doch auch hier spürt man den Aufbruch. Nicht erst seit den Corona-bedingten Schulschließungen stehen wir als Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern vor der Herausforderung, keinen Zugang zu schulinternen Materialien zu haben. Auch bei Übungen in den Ferien oder am Wochenende fehlt das Material zu Hause.

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir diesem Problem insbesondere in der Zeit der voranschreitenden Digitalisierung des deutschen Bildungssektors entgegentreten können. Für uns stand schon zu Beginn fest: Da fehlt etwas, das so naheliegend und so notwendig ist, um das Lernen am Gegenstand auch zu Hause und unterwegs möglich zu machen. Die wichtigsten und ausschlaggebenden Meilensteine der Idee waren:

  • Zugänglichkeit und daraus resultierende Partizipation,
  • Lernerfolg durch Motivation und Übung am gleichen Material,
  • Intuitive, ansprechende und lerneffiziente Bedienung-Ergänzung – und beim Lernen von zu Hause vor allem die Substitution – durch eine digitale Lösung und daraus resultierende Verzahnung von Präsenzunterricht und „Homeschooling“.

Am Anfang bestand das Team aus Lehrkräften mit einem großen Erfahrungsschatz aus der Montessori-Pädagogik. Kurzzeitig bestand die Befürchtung, das Projekt stünde vor dem Aus, da die Expertise aus Entwicklung und Design für die MonteApp fehlten. Nach zwei Tagen konnten wir unser Konzept mit einem Entwickler besprechen und weiterdenken, sodass schließlich mit Hilfe verschiedener Anwendungen weiteres Brainstorming, eine Konkretisierung der Idee und auch der Prototyp daraus hervorgingen. Dafür nutzen wir padlets, wire frame, miro, Slackchat und Adobe XD. [^4]

Vom Jetzt ins Morgen – Blick in die Zukunft mit unserer MonteApp

Die Umsetzung der App vom Prototypen zur marktreifen Version wird von uns als Projektteam unter der ständigen Prämisse begleitet, die pädagogischen und lernfördernden Aspekte der MonteApp mit der Expertise aus pädagogischer Ausbildung und Erfahrungsschatz zu spicken und zu evaluieren, aber auch als echte Alternative und Erweiterung zum "Monte-Material" zu verwirklichen. Im direkten Umgang mit der App während des Lernens von zu Hause können Eltern, Schüler*innen aber auch Kolleg*innen Feedback über das Handling geben. Darüber hinaus kann ein Netzwerk, eine MonteApp-Community entstehen und als interdisziplinäres gemeinsames Projekt ständig evaluiert und weiterentwickelt werden.

Um von einem Prototyp zum Release zu gelangen brauchen wir ein Team aus Designer*innen und Entwickler*innen, die sich in einem zeitlichen Rahmen von zwei bis drei Monaten mit der Gestaltung und Entwicklung der MonteApp beschäftigt. Wir als Projektteam, glauben an die Berechtigung unserer Nischen-App MonteApp und sehen in ihr großes Potential. Im Austausch mit Schulleitungen und Vertreter*innen des Montessori Dachverbandes Deutschland (MDD) während des Hackathons wurde die Notwendigkeit dieser App für den Schulalltag und das Lernen zu Hause stark betont, sodass von dieser Seite der Support vorhanden ist.

Für uns, ein Zusammenschluss von Lehrkräften aus verschiedenen Schulformen, ist die MonteApp zu einem Herzensprojekt geworden und wir möchten an der Entwicklung und Weiterentwicklung maßgeblich mit pädagogischem Blick auf die methodische und korrekte didaktische Umsetzung mitwirken und sie vorantreiben.

Weitere denkbare Weiterentwicklungsschritte können sein:

  • Sprachausgaben für Lernende mit Sehbeeinträchtigungen und zur Entlastung des visuellen Kanals
  • themenspezifische Bastelanleitungen
  • Komplexeres Montessorimaterial, wie z.B. der Satzstern
  • Übungsaufgaben zu den verschiedenen Materialien implementieren

Was nehmen wir für uns mit

Unsere 3 Hashtags der Woche sind #montessoriwirddigital #krassvielgelernt #herzzählt.

[^1] : Maria Montessori hat Unterrichtsgegenstände entwickelt, das sogenannte Material, welches in Montessori-Einrichtungen weltweit eingesetzt wird. Die bekanntesten Beispiele dafür sind das Schachbrett oder die Wortartensymbole.

[^2] : Das _ goldene Perlenmaterial _ kostet bspw. 557,21€, ein _ Rechenrahmen _ 70€. (Quelle: www.nienhuis.com)

[^3] : Es ist nicht vorgesehen, dass die App zwischen richtig und falsch unterscheidet, um ein direktes Feedback zu geben. In der Montessori-Pädagogik gibt es erst einmal kein falsch, höchstens ein _ noch nicht ganz richtig _.

[^4] : Hier haben wir als Team Neuland betreten, keiner von uns hatte zuvor mit _ miro, adobe xd _ oder _ wireframes _ gehört, geschweige damit gearbeitet.

Built With

  • adobe-xd
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