Herausforderung

Wie können wir das private Ehrenamt stärken und öffentliche Räume in Kindergärten und Familienzentren an Wochenenden für Trennungsfamilien öffnen, damit Papas/Mamas, die nicht am Wohnort des Kindes leben, einen kindgerechten konsumfreien Umgangstag gestalten können und Kinder ihren Papa/ihre Mama nicht als temporär Obdachlose(n) oder in anonymen Hotels und Pensionen erleben?

Gesellschaftlicher Kontext

Der Umgang mit beiden Eltern ist im deutschen Familienrecht und in der UN-Kinderrechtskonvention fest verankert. Für Nachtrennungsfamilien weichen Rechtsansprüche und Lebensrealität oft voneinander ab, da die gesellschaftlichen Strukturen unzureichend auf Multilokalität eingerichtet sind. Jedes Jahr erleben über 130.000 minderjährige Kinder die Trennung ihrer Eltern. Viele Kinder leben anschließend Hunderte Kilometer von ihrem Papa oder ihrer Mama entfernt und aus einem Elternhaus werden zwei Elternhäuser. Längst nicht jeder anreisende Vater/jede anreisende Mutter kann sich die regelmäßigen Ausgaben leisten, die zur Realisierung des Umgangs am Wohnort des Kindes entstehen (Reise, Übernachtung, Freizeitgestaltung). Zudem wollen getrenntlebende Papas oder Mamas die Zeit mit dem Kind am Wochenende nicht in Shoppingcentern, Spaßbädern oder Freizeitparks verbringen. Diese sind nicht nur mit Kosten verbunden, sondern für einen qualitätsvollen Umgang nicht geeignet. Unregelmäßiger Umgang führt zur Entfremdung, Isolation und zum Bindungsabbruch, und Kinder wachsen als soziale Halbwaise heran.

Lösungsansatz

Wir vermitteln anreisenden Papas und Mamas Übernachtungen bei ehrenamtlichen Gastgeber*innen, Spielzimmer am Tag in Kindergärten und Familienzentren und begleiten sie mit einer pädagogischen Elternberatung durch die Trennungsphasen bis hin zur Gestaltung einer glücklichen Nachtrennungsfamilie. Wir erfüllen als anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe den gesetzlichen Auftrags nach § 18 Abs. 3 SGB VIII zur Beratung und Unterstützung der Eltern bei der Ausübung des Umgangsrechts und füllen eine Lücke im Helfersystem. Damit Kinder sich auf das Verbundensein mit beiden Eltern verlassen und konsumfreie und ungestörte Papa- und Mama-Tage erfahren können. Denn Elternliebe kennt keine Entfernungen!

Wirkung

Wenn Kinder mit beiden Eltern verbunden bleiben, sind wir alle die Beschenkten. Ziele unserer Arbeit: • Verhinderung von Bindungsabbrüchen und Entfremdung • Ermöglichung des Rechts des Kindes auf Umgang und Erfüllung des gesetzlichen Auftrages gemäß Sozialgesetzbuch VIII • Stärkung der Chancengleichheit von Trennungskindern und Vermeidung als soziale Halbwaise heranzuwachsen • Senkung des Verschuldungs- und Armutsrisikos von Trennungsfamilien und somit Entlastung der Sozialsysteme • Entlastung des Alleinerziehenden und Ermöglichung verlässlicherer Unterhaltszahlungen • Entlastung des Kindes von Schuldgefühlen durch Stärkung kooperativer Elternschaft/Deeskalation des Elternkonflikts • Erfahrungen der Gesellschaft mit der Vielfalt von Familienformen • Entstigmatisierung von Trennungsvätern und –müttern • Vermeidung von Isolation, Vereinsamung und Depressionen des anreisenden Elternteils und Entlastung des Gesundheitssystems.

Zielgruppen

Unser Angebot richtet sich an getrenntlebende Papas und Mamas und deren Kinder. Unsere Verstärker sind Jugendämter, Beratungsstellen, Familiengerichte, Kommunen, Kindergärten, Familienzentren, Ehrenamtsplattformen.

Aktueller Stand

Im Fokus steht die weitere Skalierung. Stand 01.01.2021 zählten wir bundesweit 1.895 ehrenamtliche Gastgeber*innen zu unserem Netzwerk. 1.477 registrierte Väter und Mütter, davon 324 monatliche Nutzer. Corona hat uns gezeigt, wie wackelig die Welt wird, wenn selbstverständliche Verbindungen plötzlich in Frage gestellt und eingeschränkt werden: Viele Papas und Mamas sehen seit Monaten ihre Kinder nicht mehr. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, aber auch Angst vor Entfremdung haben das Problem verschärft. Wir erwarten deshalb einen starken Anstieg der Nachfrage in der nahen Zukunft. Für dieses Wachstum suchen wir weitere Finanzierungen.

Entstehungsgeschichte

In 2008 brachte ein kleiner Junge die Religionspädagogin Annette Habert auf die Idee, die Initiative Mein Papa kommt ins Leben zu rufen. Sein Vater schlief seit der Trennung im Auto, wenn er zum Umgangstermin anreiste, da die Fahrt- und Übernachtungskosten zu finanziellen Engpässen führten. Sie vermittelte den Vater monatlich an einen ehrenamtlichen Gastgeber am Wohnort des Jungen. Bald merkte sie, dass die familiäre Situation des Jungen kein Einzelfall war und vermittelte bundesweit weitere Väter. Zunächst organisierte sie alles vom Küchentisch aus. Doch bald wurde klar, dass das Projekt einen größeren Umfang annehmen würde und sie gründete das Unternehmen Flechtwerk 2+1 gGmbH. Da auch Mütter sich immer wieder auf den Weg zu ihren Kindern machen, gibt es auch Meine Mama kommt.

Auszeichnungen

Die Initiative steht seit 2018 unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin F. Giffey. Annette Habert ist seit 2014 Fellow im weltweiten Ashoka Netzwerk für Gestalter*innen unserer Gesellschaft.

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