1. Problembeschreibung

„Wie können wir Unterricht gestalten, der Kreativität, Kollaboration und Kommunikation ins Zentrum des Lernens stellt?“ Dies war eine der Herausforderungen, der wir uns entgegenstellen wollten. Nach ersten Brainstormings, Recherchen und Ideenentwicklungen, war uns irgendwann klar, dass ein Ansatz darin besteht, die Lehrer*innen im digitalen Bereich zu unterstützen und fort- bzw. weiterzubilden. Lehrkräfte spielen in der Unterrichtsgestaltung selbstverständlich eine entscheidende Rolle, jedoch fehlt es im Umgang mit digitalen Medien an Übung und Hintergrundwissen. In einer Sonderstudie „Schule Digital – Lehrwelt, Lernwelt, Lebenswelt: Digitale Bildung im Dreieck SchülerInnen-Eltern-Lehrkräfte“ (BMWI 2016) haben 64 Prozent der Lehrer*innen angegeben, dass vor allem Rechtsfragen im Bereich des Datenschutzes eine Hürde für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht darstellen. Fast genau so viele Lehrkräfte (62 Prozent) klagten über mangelnde IT-/Digital-Kenntnisse, unteranderem durch fehlende Weiterbildungen. Diese Zahlen bestätigen sich auch durch den „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann Stiftung (2017): 58 Prozent der Lehrkräfte beklagen fehlenden IT-Support und 65 Prozent mangelnde Weiterbildungen. Dass Weiterbildungen im Bereich „Digitale Medien“ Mangelware zu sein scheinen, schlägt sich auch in den Formen der angebotenen Weiterbildungen nieder. Nur 30 Prozent wurden überhaupt seitens der Schule oder des Trägers organisiert. 11 Prozent mussten privat initiiert werden. Ganze 21 Prozent privat initiierter Weiterbildungen wurden dabei nicht vom Schulträger finanziert (BMWI 2016). Erschreckend ist auch, dass fast die Hälfte der befragten Lehrkräfte in den letzten 12 Monaten keine Weiterbildung zum Thema „Einsatz und Thematisierung von digitalen Medien und Geräten im Unterricht“ wahrgenommen hat (ebd.). Wir haben uns gefragt: Wie kann das sein? Liegt es am qualitativ mangelhaften Angebot seitens der verantwortlichen Ministerien? Brauchen wir ein breiter gefächertes, zeitlich flexibleres und ansprechenderes Angebot an Fort- und Weiterbildungen für die Lehrkräfte?

Wir beantworten diese Frage mit einem ganz klaren: Ja! Denn mangelnde Kenntnisse der Lehrkräfte in der Digitalisierung wirken sich negativ auf die Lernerfolge der Schüler*innen aus (vgl. Hillmayr et al. 2017). „Lehrerinnen und Lehrer werden im Unterricht mit digitalen Medien nicht überflüssig – im Gegenteil: Es kommt gerade auf sie an“ (McElvany et al. 2017). Der Einsatz digitaler Medien muss sorgfältig vorbereitet, begleitet und ausgewertet werden, damit sich fachliche und medienbezogene Lernvorteile einstellen (vgl. ebd.). Lehrkräfte müssen also Fort- und Weiterbildungen im digitalen Bereich erfahren, damit langfristig auch Schüler*innen davon profitieren und zu digital mündigen Menschen heranwachsen können.

2. Lösungsbeschreibung:

Wir wollen das ermöglichen, indem wir lernwillige Lehrkräfte an die Hand nehmen und mit Digitalpaten matchen. Ziel soll es dabei sein, Lehrer*innen individuell zu betreuen, ihre digitalen Kompetenzen auszubilden und zu fördern. Dadurch erhalten sie die Basiskompetenzen, die sie brauchen, um ihren Unterricht digitaler zu gestalten und dienen als Multiplikator für die Förderung von Medienkompetenzen für die Schülerinnen und Schüler. Wir orientieren uns bei unserem Konzept ein Stück weit an der Corona School e.V., passen aber unsere Idee dergestalt an, dass wir unsere Matchingpartner an den Interessen der Lehrkraft und den Fähigkeiten des Patens orientieren.

Wie sieht das aus?

Lehrkräfte registrieren sich und werden nach ihren Vorkenntnissen gefragt. Nach einem Punktesystem/Ranking teilt unser System die Lehrkraft in drei Level ein (Neuling, Erfahren, Profi). Diese Einteilung wird der Lehrkraft präsentiert und er/sie darf bestätigen oder Widerspruch einlegen. So bekommen wir gleich ein Feedback über unser Einteilungssystem und können den Algorithmus anpassen. Alternativ ließe sich auch der „Europäische Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender“ (DigCompEdu) nutzen, um eine Vorabfrage der Fertigkeiten zu gewährleisten. Im Anschluss gibt die Lehrkraft an, wofür sie gerne einen Paten hätte. Möchte man lernen, wie man eine besonders schöne PowerPoint für den Unterricht erstellt? Die Schulhomepage ist jetzt in Ihre Hände gefallen und soll aufgebessert werden? Oder möchte man vielleicht doch lieber, lernen wie man den Roboterarm so programmiert, dass er mir das Glas Wasser reicht, wenn ich im nächsten Technik- oder Physikunterricht Durst bekomme? Alles soll möglich sein. Über einen Meilenstein-Plan sollen die Lehrkräfte zum fortlaufenden Lernen ermutigt werden. Hat man mindestens fünf Fortbildungen besucht, wird dies im Profil festgehalten und kann als Zertifikat ausgegeben werden. Für die Bestätigungen der besuchten Fortbildungen sind die zugewiesenen Paten zuständig.

Interessierte Paten (Youtuber*innen, Influencer*innen, Studierende uvm.) registrieren sich ebenfalls bei uns und geben ihre Stärken an. Sind sie besonders gut in Office-Anwendungen, studieren sie Webdesign oder programmieren nebenbei Spiele? Dies sind nur einige Beispiele über das Know-How, welches am Ende an die Lehrkräfte weitergegeben werden soll. Weiterhin soll der Pate oder die Patin angeben, wie viele Lehrkräfte er oder sie gleichzeitig betreuen kann. Ein Screening der interessierten, ehrenamtlichen Helfer*innen soll ein möglichst reibungsloses Lernen miteinander gewährleisten. Unser System sichert die Daten und gleicht diese mit den ambitionierten Lehrerinnen und Lehrern ab. Sobald es funkt, bekommt jeder eine Nachricht. Das soziale Engagement seitens der Paten soll über ein Zertifikat belohnt werden.

Das Kennenlernen kann digital oder analog stattfinden, je nach Situation und Bedarf. Die Weiterbildungsstunden werden dann individuell geplant und gehalten. Jeder bekommt nach wenigen Tagen/Wochen eine E-Mail, in der er seinem gegenüber ein kurzes Feedback dalassen kann.

Wir gehen davon aus, dass sich, aufgrund der 1:1 Betreuung, ein schnelles, ungezwungenes Vertrauensverhältnis aufbauen kann, sodass interessierte Lehrer*innen Berührungsängste verlieren und sich trauen, jede Kleinigkeit nachzufragen, welche vielleicht in einer größeren Fortbildung untergegangen wäre.

Langfristig sollen hier Impulse für die digitale Ausbreitung und Strukturierung der Schulen gesetzt werden. Nur wer sich digital sicher fühlt, wird die Digitalisierung der Schulen vorantreiben wollen. Insgesamt verbessern sich dadurch nicht nur die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte, sondern auch die der Lernenden.

Da durch das Matchingsystem gezielt Bereiche ausgesucht und angesprochen werden, können wir hier von einer simplen, aber effizienten Lösung der Weiterbildungslücke sprechen, die dauerhaft geschlossen werden soll. Stellen sich Erfolge auf beiden Seiten ein, gehen wir von einer eigenen, fortlaufenden Dynamik des Angebots aus. D.h. innerhalb des Lehrerkollegiums wird dies schnell weitergegeben und damit untereinander Werbung gemacht. Lernpaten werden gezielt über Social Media angesprochen und angeworben und an den Universitäten soll Werbung für das Projekt veröffentlicht werden.

3. Vorgehen und Fortschritt:

Unser Lösungsansatz ergab sich aus einer Reihe langwieriger Brainstormings via Padlet sowie intensiver Video-Calls aller beteiligten Personen. Langfristig ist unser Wunsch, ein eigenes Fach namens „Medienkunde“ einzuführen, da wir uns der stetig wachsenden Bedeutung der Medien im digitalen und analogen Bereich bewusst sind. Die Beschlüsse der Kulturministerkonferenz, digitale Inhalte nur in die jeweiligen Unterrichtsfächer zu integrieren, gehen uns dabei nicht weit genug. Bevor dies jedoch in der Praxis umgesetzt werden kann und mit Blick auf die Studienlage, haben wir uns entschieden, dem erfolgreichen Projekt „Corona School e.V.“ nachzueifern und konnten uns bereits am Dienstag im Konsens auf unser Vorhaben einigen.

4. Prototyp:

Das Angebot soll zunächst über eine Website dargeboten und verwaltet werden. Später kann dies auch in Form einer App weitergeführt werden. Unser erster Entwurf sieht wie folgt aus: https://derdadesign.de/2fordigital/

5. Nächste Schritte:

Erste Versuche müsste man spätestens in den anstehenden Sommerferien ansetzen, damit sich die Lehrer*innen bereits im Vorfeld auf das kommende Schuljahr digital vorbereiten können. Zunächst sollten hierbei einige Schulen angeschrieben und als Testpersonen akquiriert werden. Auf der anderen Seite sollte man über die Universitäten, Studierendenräte, aber auch über die verschiedenen Social Media-Angebote Paten anwerben. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit bereits bestehenden Stiftungen, Vereinen, Initiativen oder anderen Experten im Bereich der digitalen Medien anzustreben, wie z.B. „HABA Digitalwerkstatt“ oder „Klicksafe“.

Weiterführend bräuchte man ein System zur Kompetenzabfrage der Lehrkräfte, damit sich die Paten entsprechend auf ihre Lernpartner vorbereiten und einlassen können. Des Weiteren ist ein Algorithmus notwendig, der dafür sorgt, dass das Matching-System reibungslos funktioniert. Hier könnte man von den Erfahrungen der „Corona School e.V.“ profitieren und ihr Expertenwissen einholen. Finanziert werden soll das Projekt mithilfe von interessierten Partnern und durch Förderung seitens des Bundes und der Länder, da unser Angebot für die Weiterbildung der Lehrkräfte gedacht und letztlich unsere zukünftigen Generationen davon profitieren sollen.

Unser gesamtes Team würde sich freuen, die Idee gemeinsam weiterzuentwickeln und voranzutreiben.

Wer steckt hinter der Idee?

Gesa, M.A. Interfacedesignerin. "Ich habe gelernt, die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine nutzerfreundlich zu gestalten. Medienkompetenz ist mein Fachbereich un dich unterrichte Grundschüler in einem Computer-Kurs. Ich bin gerade frisch dabei. Wenn ihr also Hilfe braucht, bin ich gerne da!"

Kevin (29), Lehrer seit fast zwei Jahren für Fächer Biologie und Sozialkunde an Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt. "Durch Corona habe ich halt sehr gut mitbekommen, wie mangelhaft die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrerinnen und Lehrern ist. Gerade wir als Lehrkräfte sind hier in der Verpflichtung, die digitale Bildung voranzutreiben. Deswegen habe ich mich entschlossen, meine Ideen und Energie diesem Hackathon zu widmen und die Zukunft mitzugestalten."

Patricia (30), Wirtschaftsingeneurin und angehende Gründerin aus Berlin. "Corona hat gezeigt: JETZT ist die letzte Chance die Digitalisierung in deutsche Schulen zu bringen, damit wir nicht völlig den Anschluss verlieren. Dabei nimmt für mich die Medienkompetenz einen hohen Stellenwert ein."

John (25) aus Braunschweig und studiert Luft- und Raumfahrttechnik. "Grade die Corona-Situation hat gezeigt, wie wichtig Medienkompetenz und der richtig Umgang mit dem Internet ist. Lasst uns diese wesentlichen Themen in die Schule bringen."

Jan, Ausbildung zum Fachinformatiker mit dem technischen Know-How. "Ich mache hier mit, weil ich meine damalige Schule und das System veraltet finde und dazu beitragen möchte, dass die Kinder der Zukunft besser vorbereitet werden."

Martina, ist seit vielen Jahren in Unternehmen verantwortlich für die Themen Lernende Organisation, Personalentwicklung, Change und (digitale) Transformation. Schule und Ausbildung bereiten auf das Berufsleben vor, deshalb ist es ihr ein Anliegen ihre betrieblichen Erfahrungen im schulischen Umfeld zu teilen, aber auch zu lernen, was Lehrer und Schüler benötigen, um dann erfolgreich im späteren Berufsleben Fuß zu fassen.

Celina (15) und Sven (46), Schülerin und Büroangestellter. "Als Vater-Tochter Gespann haben wir über die sozialen Medien vom #wirfürschule-Hackathon erfahren, und fanden die Idee super über diese Initiative die Möglichkeit zu haben an der Gestaltung der Schule von Morgen teilzuhaben."

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