Projektbeschreibung: Soziale Ungerechtigkeit / Kommunikation untertitelt

von Doris, Johanna, Maya, Miriam, Steffi

1. Problembeschreibung

Warum haben wir uns für diese Herausforderung entschieden?

Soziale Ungerechtigkeit entsteht u.a. über die Sprache, weil Eltern und Schüler*innen die normale Bildungssprache nicht verstehen können (sei es, weil sie ein physisches Akustikproblem, andere Sprachhintergründe, Leseschwierigkeiten haben, fachspezifische Inhalte nicht verstehen, oder bildungsfern sind).Häufig ist dadurch der Zugang zu Bildung eingeschränkt und ihre Fähigkeiten können weder entdeckt noch entfaltet werden. Daran möchten wir etwas ändern.

Was sind aus unserer Sicht die größten Probleme, die es hier zu lösen gilt

Aus unserer Sicht gibt es Zwei. Einmal ist ein Umdenken und eine andere Haltung in sämtlichen Ausbildungs- und Kommunikationsbereichen notwendig. Niemand ist „dumm“, wenn er oder sie die deutsche Bildungssprache nicht gut versteht, und niemand ist behindert, im Gegenteil, sie werden behindert, weil wir ihnen keine Alternativen bieten. Zudem denken viele Menschen, Alternativen zu finden, wäre viel zu aufwändig. Wir möchten zeigen, dass es gar nicht vieler Dinge bedarf und sogar Spaß macht.

Wer ist von dieser Problemstellung betroffen?

Nahezu jede und jeder (mehr oder weniger). Es sind sowohl jene, deren Hörvermögen körperlich eingeschränkt ist als auch jene, deren Muttersprache nicht die Landessprache ist und auch solche, die nicht gut zuhören (können oder wollen) oder einfach nur inhaltlich oder sinngemäß wenig verstehen.

2. Lösungsbeschreibung

Was ist unser Lösungsansatz?

Wir stellen uns einfach umsetzbare digitale und analoge Beispiele vor, mit denen man Texte oder gesprochene Sprache mittels einfach herzustellender Zeichnungen, Bilder, Videos oder anderem Material so untertiteln kann, dass dadurch die Inhalte der Texte oder des Gesagten zugänglicher gemacht werden und das auch noch Freude macht (sowohl den Produzierenden als auch den Empfängern).

Von welchen Annahmen gehen wir bei unserem Lösungsansatz aus?

Wir gehen davon aus,

  • dass den Lehrer*innen, Eltern, Schüler*innen und andere an Bildung beteiligten Personen ein Problem bezüglich
    des sprachlichen Verstehens – in jeglicher Form – auffällt und ihnen klar wird, worin diese Lernschwierigkeit besteht,
  • dass sich diese Personen intrinsisch motiviert auf die Suche nach Lösungsansätzen machen, um die Betroffenen zu unterstützen,
  • dass Freude an Kreativität vorhanden ist.

Auf diesen Annahmen basierend öffnet unser Ansatz eine Tür zu einer anderen Haltung, die Lust auf neue – untertitelte – Texte und neues Lernen initiiert, denn jede Person möchte lernen und dazu gehören.

Wer profitiert von dieser Lösung? Wer nutzt diese Lösung?

Nahezu jede/r im Bildungsbereich oder in der Kommunikation, der in jedweder Form hin und wieder, öfter oder sehr oft etwas nicht versteht – ob aus inhaltlichen, sprachlichen, kulturellen Gründen oder wegen Problemen mit dem Gehör.

Welchen Einfluss hat unsere Lösung auf die aktuelle Situation?

Sie macht (sprachliche) Bildung gerechter, indem sie die soziale Schere beim Zugang zu sprachlicher Bildung schließt und dort Barrieren abbaut.

Was ist der langfristige Wert unserer Lösung?

Sie könnte Diskriminierungen und Geringschätzung infolge sprachlicher Unzulänglichkeiten erheblich abbauen und Betroffenen eine ganz andere, gleichberechtigtere Wertschätzung zuteilwerden und sie neues Zutrauen gewinnen lassen. Das könnte zur Entfaltung von Fähigkeiten beitragen, die sonst verborgen bleiben würden und auf diese Weise ein gesamtgesellschaftlicher Gewinn sein. Sie fördert Kreativität, Teilhabe und gleichberechtigtes Lernen und bezieht durch das Mehrkanal-Prinzip gleichzeitig alle Lerntypen mit ein.

Wie bewerten wir selbst die Umsetzbarkeit und Skalierbarkeit unserer Lösung?

Unsere Lösung ist webbasiert geplant, stellt anderen Nutzern Materialen zur Verfügung und lässt die Möglichkeit des Teilens und Vernetzens zu, weshalb sie sehr skalierbar ist. Weiterhin bietet unsere Lösung Ideen zur analogen Umsetzung. Daher ist es kein Problem mittels greifbarer Materialien, schauspielerischer (mimischer), strichmännchenartiger Untermalung usw. auf die Lösung auch analog zu skalieren. Dadurch kommt unser Lösungsansatz nicht nur technisch Versierten zugute.

3. Vorgehen und Fortschritt

Wie ist der Lösungsansatz entstanden?

Am Anfang stand eine elterliche Beobachtung, dass Buchstaben wie 'd' und 't' oder 'p' und 'b' aufgrund von Hörproblemen akustisch nicht gut unterschieden werden konnten. Hinzu kamen Expertisen in den Bereichen barrierefreies Webdesign, Produktmanagement, Migration und soziale Ungleichheit im Bildungssystem, Didaktik, Pädagogik, Philosophie und sprachsensibler Unterricht. Abgerundet wurde alles durch den wertvollen und kreativen Blick des Lernenden. Verbunden wurden alle diese Perspektiven durch die Suche nach einem Lösungsansatz, der allen Bedürfnissen gleichermaßen entspricht.

Was waren die wichtigsten Meilensteine während der Hackathon Woche?

Es ist das bedingungslose Engagement und der Wunsch, etwas Konkretes zu erreichen, damit es uns allen im Bildungssystem besser geht, was die Grundlage dieser effektiven Arbeit geliefert hat. Dabei waren unsere Meilensteine: 1: Teamfindung – zunächst bestand unser Team aus zwei Personen und es war eine positive Herausforderung, die Sichtbarkeit unseres Themas zu erhöhen, um weitere Personen zu finden, die eine ähnliche Motivation teilen und ihre Expertisen mit ins Boot bringen. 2: Zusammenführung der Ideen – basisdemokratisch wurden die verschiedenen Perspektiven auf Sprachverständigung in einer Idee miteinander vereint. 3: Wissens- und Fertigkeitenaustausch – wir konnten auf die volle Bandbreite aus Produkt- und Teammanagement, Filmdesign, Didaktik und Kreativität zurückgreifen. 4: Film – anhand eines theoretischen Storyboards wurden die Kapitel des Filmes festgelegt und die zwei vorhandenen Lehrfilme integriert, indem sie mit neuen Tonspuren unterlegt oder gänzlich neu aufgenommen wurden. Die musikalische Untermalung wurde kurzerhand produziert. Die Planung, Filmschnitt und die endgültige Zusammenfügung sind in zwei Tagen freudvoller gemeinsamer Arbeit entstanden. 5: Präzise Ausformulierung der Projektidee – In mehreren diskursiven Korrekturdurchgängen haben wir immer wieder gemeinsam untereinander und mit dem Blick von außen unsere Idee geschärft und klarer ausformuliert.

4. Prototyp

Eine (noch) theoretische Reise nach sagsinbildern.de / sagsinbilderndigger.de

Ausgehend von unseren Annahmen, dass sich jemand auf der Suche nach Möglichkeiten zur Unterstützung befindet, um eine problematische Sprachsituation zu erleichtern, findet diese Person unsere Website – unabhängig davon welches Medium sie benutzt: für den Zugang ist nur Internet und ein Browser notwendig. Dort wird der Besucher empfangen von einer Auswahl an Lehrvideos, Piktogrammen, Symbolen, Farben, Zeichnungen, Comics, Sketchen, die nach verschiedenen Fachgebieten verschlagwortet sind, deren Schwerpunkt aber immer auf dem Mehrkanal-Prinzip liegt, sodass neben der textlichen Vermittlung immer auch mindestens ein visueller Kanal angesprochen wird.

Der Besucher kann sich aus der Fülle an Unterstützungsmaterialen bedienen oder auch selbst eigene Ideen einbringen (bspw. mithilfe einer eingebettenen Grafiksoftware zur Erstellung einfacher Rastergrafiken) und hochladen. All diese Ideen werden kostenfrei angeboten und können in individuelle Unterrichtssituationen eingebracht (z.B. in Form eines Videokonferenztools oder einer entsprechenden Schnittstelle), angewandt und angepasst werden, um sprachliche Kommunikation visuell zu unterstützen und so eine gleichberechtigte Teilhabe an Bildung zu erreichen.

5. Nächste Schritte

Wie testen wir unsere Annahmen?

Die Auswirkungen der bildlichen Untertitelung von Texten konnten durch die beiden Lehrerinnen des Teams bereits in Einzelfällen in der Praxis getestet werden und verzeichneten positive Effekte hinsichtlich des Verständnisses der Bildungssprache. Diese Ansätze und Effekte, die verschiedentlich auch in anderen Schulen schon eingesetzt werden, gilt es, auf unserer Plattform zu bündeln, in noch mehr Unterrichtseinheiten anwendbar zu machen und damit testen zu können.

Was ist aus unserer Sicht der nächste Schritt in Richtung Umsetzung?

Wir wollen zeitnah ein Portal aufbauen, das im Internet gefunden wird (durch Zusammenarbeit mit betroffenen Stellen und durch Suchmaschinenoptimierung) und anwenderfreundlich aufgebaut ist. In diesem Portal findet man Material und kann auch selbst etwas einstellen, so dass es möglichst vielen Menschen zur Verfügung steht. Dabei liegt der Fokus auf der Minimierung sozialer Benachteiligung durch die visuelle Unterstützung von komplexer Sprache. Es gibt viele Lehr- und Lernvideos bereits im Internet, die aber, gerade für ganz besonders Benachteiligte, nicht immer nutzbar sind, weil sie sprachlich zu komplex und zu wenig materialgeleitet, sondern eher (bildungs)sprachlastig sind. Diese Lücke möchten wir füllen!

Was benötigen wir für den nächsten Schritt (Ressourcen, Know-How, Budget)?

Wir brauchen eine Website (sagsmitbildern.de) inklusive Portal zur Speicherung großer Datenmengen, Experten im Bereich Live Streaming, Software Entwickler, Produktmanager und weitere kreative Leute aus unterschiedlichsten fachlichen Richtungen, die solche Videos herstellen können, um z.B. sämtliche Schulfächer und Themengebiete abzudecke. Weiter braucht es auch Personen mit Marketingerfahrung, um die mediale Reichweite unserer Idee zu vergrößern und um weitere Lehrer*innen zu finden, die kreative Unterrichtsideen haben und darstellen möchten. Da es um soziale Gerechtigkeit geht, muss die Nutzung der Plattform kostenfrei für die Adressat*innen sein. Wir würden also auch dauerhafte Sponsoren benötigen, die das Vorhaben unterstützen und tragen würden.

Sind wir als Projektteam selbst an der Umsetzung interessiert? Wenn ja, wer hat welche Rolle in unserem Team?

Ja, wir wollen selbst an der Umsetzung mitwirken. Wir haben eine technisch versierte Webdesignerin, eine Schülerin mit tollen kreativen Ideen, medialer Kompetenz und einem Gespür dafür, wie Produkte gut ankommen. Dazu kommen zwei Lehrerinnen, die (für ihre Fächer) die fachinhaltlichen Themen so didaktisch aufbereiten, dass sie klar und verständlich bildlich untertitelt werden. Wir sind ein kleines Team, das sich nebenberuflich engagiert, Erfahrung mit der Problematik sozialer Benachteiligung hat und zu deren Verringerung beitragen möchte.

Built With

  • adobepremiere
  • humanlanguage
  • kreativitat
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