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In 5 Jahren unabhängig von Fächern - Ganzheitliches, bedürfnisorientieres und intrinsisch motiviertes Lernen

In diesem Konzept, welches wah rend des Hackathons #wirfurschule geschaffen wurde, geht es um die Frage, wie wir ein Lernsystem schaffen konnen, das die naturliche Neugier und Begeisterung von Kindern erhalt.

*Bestandsaufnahme und Konzeptentwicklung * Die schulische Realitat vieler Kinder sieht derzeit so aus, dass Schule eher zu Lernfrust als zu Lernlust fuhrt1. Die naturliche Neugier der Kinder wird blockiert und Motivation und Lernfortschritt werden ausgebremst. Viele Kinder, Eltern und auch Lehrkrafte empfinden das facherbasierte System als sehr frustrierend. Sowohl aus padagogischer als auch aus entwicklungspsychologischer Sicht ergibt eine Gliederung in Facher keinen Sinn2• In anderen Landern wird erfolgreich ohne die strenge Gliederung nach Fachern ganzheitlich gelernt. "Warum machen wir das eigentlich nicht auch so?"

Aus unserer Sicht besteht das groRte Problem im vorherrschenden Lernsystem darin, dass es den komplexen Problemen der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Stattdessen betreiben wir "eine eher wissenslastige Gestaltung des Unterrichts, die nicht mehr in die digitalisierte Welt des 21. Jahrhunderts passt, in der Wissen Ieicht verfugbar ist und es eher darum gehen muss, Strukturen und Method en zu vermitteln". Die relativ starke Konzentration auf Wissensvermittlung verhindert Personlichkeitsentwicklung und erlaubt dem Kind nicht, seine Potentiale frei zu entfalten, urn als starkes und kompetentes Mitglied diese Gesellschaft innovativ mitzugestalten. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lernens bleibt im aktuellen System fur aile Beteiligten letztlich haufig unbeantwortet.

Betroffen von diesem Problem sind demnach nicht nur die Schlilerinnen und SchUler, deren Eltern und Lehrkrafte, sondern auch die Gesellschaft und die Wirtschaft.

lm Rahmen des Hackathons #wirfurschule haben wir uns aufgemacht, urn einen Losungsansatz fur dieses Problem zu finden. In einem ersten Schritt haben wir uns durch bereits bestehende Schulmodelle und Lernansatze anderer Lander inspirieren lassen (z.B. das Phenomenon based learning in Finnland, den storyline -Ansatz in Skandinavien, fachubergreifendes Lernen in Australien, den Ansatz der kosmischen Erzahlungen in der Montessori-Padagogik).

Beschreibung des Losungsansatzes und seiner Umsetzbarkeit Bestarkt durch die Tatsache, dass es auch in Deutschland schon Modellschulen gibt, welche zeigen, dass Lernen anders funktionieren kann (vgl. hierzu genannte ,Prototypen" weiter unten im Text), haben wir dann unsere eigenen ldeen und Visionen entwickelt. Wieder Weg hin zu einem von Fachern losgelosten Problem basierten Lernen aussehen und wie dieser Systemwandel zeitlich vollzogen werden kann, wird im Folgenden dargestellt.

__ 1. Phase: Vom lst-Zustand zur Zwischenlosung __ Es gibt einige Schritte, die sich im Grunde gleich morgen umsetzen lassen. Das bestehende Fachersystem bietet bereits Moglichkeiten, urn Lernen fachubergreifend und vernetzend zu gestalten. Diese Moglichkeiten sollten ab sofort effektiv genutzt und Lernraume größtmöglich geöffnet werden.

__ 2. Phase: Von der Zwischenlosung zum Endmodell __ Ausgehend von dieser Zwischenlosung entwickelt sich dann ein Lernsystem, welches ohne Facher auskommt und ein problembasiertes Lernen ermoglicht. Der Ansatz des Problem-based learning (PBL) bietet ideale Voraussetzungen, urn die Schulerlnnen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. Sowohl die als zentral fur die kommenden Jahrzehnte ausgemachten Kernkompetenzen, im 4K-Modell von der Initiative Partnership for 21st Century Skills (P21) zusammengefasst, als auch gegenwarts-und zukunftsrelevante Problemstellungen werden durch das PBL thematisiert und von den Schulerlnnen bearbeitet. ,Charakteristisch fur bestimmte Grundeinstellung zum Lernen. Lernende und Lernbegleiter (Lehrer) begegnen sich als PBL ist eine ganz gleichwertige Personen mit Wissen, Verstiindnis, Gefuhlen und lnteressen in einem gemeinsamen padagogischen Prozess, wobei die Ermutigung zum offenen, reflektierten, kritischen und aktiven Lernen ihrem Selbstverstandnis entspricht" Schülerlnnen lernen nach eigenen Bediirfnissen und im individuellen Lerntempo. Hierbei wird die urspriingliche Motivation fiir ein Thema genutzt, urn neue Wissens-und lnteressensgebiete zu erschlieBen sowie genannte Kompetenzen zu erwerben. Lehrerlnnen dienen dabei als pädagogisch geschulte LernbegleiterInnen und fachlich Expertlnnen. Ziel des Ansatzes ist es nicht, umfangliche Lösungen fUr eine Problemstellung zu erarbeiten, sondern exemplarisch die Komplexitat der Lebenswelt des 21. Jahrhunderts erfahrbar zu machen und LOsungswege fOr deren Bewlltlgung aufzuzelgen. Die lm hler vorgestellten Lernansatz erworbenen Kompetenzen, losgelöst von Fächergränzen bieten den SchülerInnen hervorragende Voraussetzungen fiir eln gellngendes, erfOIItes (Erwachsenen-) Leben und schaffen eine nachhaltig positive Einstellung zum lebenslangen Lernen.

Dass ein Lernen unabhangig von Fachern umsetzbar ist, zeigt sich daran, dass es schon einige Schulen gibt, welche facherubergreifend lernen und daran, dass es Lander gibt, in welchen solche Lernsysteme flachendeckend eingefuhrt wurden.

Eingie Prototypen: 1 2 3 4 5

Wir gehen davon aus, dass sich durch die Reflektion der eigenen Haltung und die Reflektion der eigenen Rolle hera us ein neues Selbstverstandnis der Lehrkratte hin zum Lernbegleiter entwickelt. Zudem werden Schlilerlnnen durch die Veranderung des Lernsystems zu aktiven Gestalterlnnen des eigenen Lernprozesses. Es entsteht letztlich eine Lernkultur, die von Verantwortung und Vertrauen auf allen Seiten gepragt ist.

Von der Etablierung dieses veranderten Lernsystems profitieren sowohl die Lernenden als auch die Lehrenden, denn die Sinnhaftigkeit des Tuns fuhrt zu mehr Motivation, welche eine Grund-voraussetzung fUr das Lernen ist. Auf lange Sicht gesehen fuhrt ganzheitliches, bedurfnisorientiertes und intrinsisch motiviertes Lernen dann dazu, dass die Kinder optimal auf die komplexe Lebenswirklichkeit vorbereitet werden. Dadurch hat ein verandertes Lernsystem auch einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen: Selbstwirksame, verantwortungsvoll und motiviert agierende junge Menschen fungieren als Motor fur gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.

** Umsetzbarkeit des Lernsystems im hybriden Unterricht ** Wir sehen in dem facherubergreifenden, problembasiertes Lernen ein groBes Potential fur das kommende hybride Schuljahr 2020/21. Die Vernetzung von Fachern und das Arbeiten an Projektthemen erleichtert es sowohl Lernenden und ihren Eltern als auch Lehrenden effektiv und konstruktiv zu arbeiten. Prasenzzeiten konnen fur den Austausch, die Beratung, fur die Bundelung von ldeen und das Strukturieren weiterer Vorgehensweisen genutzt werden. Zeiten des Fernunterrichts konnen fur die individuelle Auseinandersetzung mit der Fragestellung genutzt werden. Unter Einbezug digitaler Medien kann die Ausarbeitung naturlich auch im Team mit anderen Schlilerlnnen erfolgen und auch die Lehrperson steht uber die digitalen Wege jederzeit als Lernbegleiterln zur Verfugung.

** Die nachsten Schritte ** Wir konnen den Weg hin zu einem ganzheitlichen, bedurfnisorientierten und intrinsisch motivierten Lernen einleiten, indem wir die hier beschriebenen ldeen und Vorgehensweisen schon jetzt an die unterschiedlichen Schulen weitertragen. Lehrpersonen informieren und inspirieren ihre Kolleglnnen und starten in kleinen Schritten mit der Vernetzung. Schulleitungen unterstutzen die Lehrpersonen bei der Gestaltung von fachubergreifenden Projekten und fordern damit die Motivation des gesamten Teams. Lernende und ihre Eltern gehen mit ihren Wunschen und ldeen offen auf Lehrende zu und bieten ihre Unterstutzung an.

Zudem sollte es interessierten Lehrerinnen und Lehrern ermoglicht werden, an Schulen zu hospitieren, welche schon in facherubergreifend arbeiten. Denn es gibt zwar zahlreiche theoretische Ansatze und Ratgeber uber projektorientiertes Arbeiten, doch was Lehrpersonen wirklich brauchen, ist der Austausch und das Erleben in rea len Lernumgebungen. Die Planung, die Umsetzung, die Durchfiihrung, die Begleitung sowie die (Selbst-)Evaluation/Reflexion kann man am besten nachvollziehen, wenn man live laufende Projekte beobachtet und begleitet. Darum halten wir es fur unverzichtbar, dass Lehrkrafte in ihrem eigenen Lernprozess in anderen Schulen hospitieren und andere Arbeitsweisen kennenlernen. Urn in einen kontinuierlichen Austausch mit anderen Lehrenden treten zu konnen, ist es wichtig, dass sich ein Pool von motivierten Lehrkraften und Experten bildet. Es bedarf einer virtu ellen Plattform, auf welcher dieser Austausch erleichtert wird. Ein gutes Beispiel fiir solch eine Plattform ist das Bildungsprojekt "Schulen im Aufbruch". Dieses Projekt bietet Inspiration, Ermutigung und Vernetzung.

Urn die Fortbildung der Lehrkrafte zu ermoglichen ist, finanzielle Unterstutzung notwendig. Manchmal ist es notwendig auch weitere Wege auf sich zu nehmen, urn good practice Beispiel vor in Augenschein zu nehmen. AuBerdem brauchen Lehrerlnnen zeitliche Freiraume, urn sich untereinander uber die Umsetzungsmoglichkeiten an ihrer Schule zu verstandigen. Gut fortgebildeten Multiplikatoren muss die Zeit und der Raum gegeben werden, auch skeptische oder unsichere Kolleglnnen von der Sinnhaftigkeit und den Chancen eines facherubergreifenden Arbeitens zu uberzeugen und sie so mit an Bord zu holen.

Parallel zu den oben genannten Fortbildungen ware es wichtig, dass die Schulen die Moglichkeit bekommen Coaches und Experten von auBen einzuladen, welche Prozesse beobachten, beraten und unterstutzen. Auch hierfur sind finanzielle Mittel notig.

Aile Teilnehmerlnnen des Hackathon Teams haben groBes Interesse daran, das Projekt umzusetzen und sie sich auf dem Weg machen, eine Schule zu genieBen, in der die fachliche Fokussierung Stuck fur Stuck uberwunden wird. Unser Team, bestehend Eltern und Lehrern, sieht eine enorme Dringlichkeit, dieses Kernproblem des deutschen Schulsystems anzugehen und sieht in der Umsetzung der hier erlauterten ldeen eine realistische Chance fur zufriedenstellenderes Lernen und Lehren.

Daruber hinaus besteht nicht nur ein groBes Interesse, sondern auch einen groBen Bedarf eine ubersichtliche Plattform zu kreieren, urn einen bereichernden Austausch zwischen und Experten zu schaffen. Wunschenswert ware ein Verzeichnis mit Coaches, die man einladen kann, Kontaktadressen, urn Hospitationen zu ermoglichen, Kollaborationen in "utopischen" Projekten, die irgendwann mal Realitat unserer zukunftigen Schulen werden konnten.

** Man muss dazu eine Plattform schaffen, die: **

  • übersichtlich ist.
  • sowohl kostenlose Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren anbietet
  • als auch professionelle Leistungen angeboten werden konnen.
  • Moglichkeit an Kollaborationen
  • Forum
  • u.v.m.

--> Ideensammlung und Konzeptentwicklung zusätzlich abrufbar über: https://miro.com/app/board/o9J_krRHL9w=/ --> Schritliche Darlegung der Konzeptidee: siehe PDF und JPGs

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