Ein neues, ganzheitliches Curriculum für lebendige Schulen soll Chancengleichheit und die Sicherung der Grundrechte anhand einer Mindest-Bildungsqualität einerseits und individuelle, bedürfnisorientierte Bildung andererseits zusammenbringen, während Bürokratien und Hierarchien abgebaut werden und lebendige Schulsysteme wachsen können.

Wie lautet der Name eures Projekts?: Ganzheitliches Curriculum für lebendige Schulen

Wie heißt euer Team Slack Channel?: #umsetzung_aktionsfeld_026_af3

Wie groß ist euer Team (als Zahl)?: 6

Welches Aktionsfeld adressiert ihr?: Rahmenbedingungen und Strukturen

Welche Herausforderung adressiert ihr?: 3.2. Ganzheitliche Schulcurricula entwickeln

Was ist das Problem, das ihr mit eurer Lösung für die Schule von Morgen lösen/verbessern wollt?: Aktuell beschließen alle 16 Bundesländer unterschiedliche Kerncurricula, die den Schulen unterschiedlich viel Spielraum zur eigenen Gestaltung überlassen. Obwohl in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen wurden, die Curricula und das Bildungssystem als solches zu reformieren, geht doch jedes Bundesland dabei andere Wege und die Schulen selbst, das heißt auch, die eigentlichen Bildungsexpert*innen selbst sowie die, die die Veränderungen unmittelbar betreffen (Schüler*innen, Eltern, Lehrkräfte und weitere), können hierbei nicht mitreden. Deshalb sind - gegen besseren Wissens dank neu gewonnener Erkenntnisse über intrinsische Motivation, Lernprozesse im Gehirn, das psychische Wohlbefinden, etc. - trotz der Reformen diese Curricula nach wie vor defizitorientiert, überfrachtet und alles andere als zeitgemäß. Anstatt die vorhandenen Potenziale der Kinder zu fördern und sie zu Gestaltenden ihrer Zukunft heranwachsen zu lassen, werden sie ihrer Lernfreude beraubt und in Konkurrenz gesetzt. Daher verlieren sie häufig die Fähigkeit an ihre eigenen Stärken zu glauben und erfahren nicht in der Teamarbeit eine hohe Selbstzufriedenheit. Ein neues, nationales, ganzheitliches Curriculum für lebendige Schulen soll Chancengleichheit und die Sicherung der Grundrechte anhand einer Mindest-Bildungsqualität einerseits und individuelle, bedürfnisorientierte Bildung andererseits zusammenbringen, während Bürokratien und Hierarchien abgebaut werden und lebendige Schulsysteme wachsen können.

Wer ist von dieser Problematik betroffen, und auf welche Weise? Wieso ist das ein kritisches Problem?: Die Rahmenbedingungen und Strukturen bilden das Nervensystem des Bildungssystems ab. Das ganzheitliche nationale Curriculum spiegelt dieses konzeptionell wider. Es legt jene pädagogischen Vorgaben fest, denen sich die Schulen gegenüber verpflichten. Es steuert daher maßgeblich die Gestaltung unseres Bildungssystems. Es betrifft alle Akteur*innen zugleich - Eltern, Schüler*innen Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal - und tritt in eine wechselseitige Beziehungen zu ihnen. Auf einer übergeordneten Ebene betrifft es die Gesellschaft im Ganzen, denn dank dem Recht auf Bildung trägt das Bildungssystem neben der Familie die Verantwortung für die Entwicklung der nachfolgenden Generationen. Daher hat es den Anspruch, ihnen allen in ihren Grundrechten gerecht zu werden. Hierin birgt sich der vermeintliche Konflikt zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen Stabilität und Dynamik, zwischen Verlässlichkeit und Innovation, zwischen Chancengleichheit und individueller Entfaltung der Persönlichkeit. Doch tatsächlich sind diese Paare zwei Seiten einer Medaille. Das eine bedingt das andere, das eine ist auf das andere angewiesen. Darin liegt die Herausforderung für ein ganzheitliches Curriculum. Ein ganzheitliches Curriculum kann die Balance dieser zwei Medaillenseiten wiederherstellen und den Schulen die Gestaltungsfreiheit gewähren, die sie für die Bildung in einer VUCA-Welt brauchen. Die aktuell kursierenden Curricula der Länder werden den Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht gerecht: Wir stehen jetzt und in der nahen Zukunft vor großen Herausforderungen, die eine Vielfalt an Fähigkeiten und Kompetenzen benötigt, um ihnen begegnen zu können.

Was ist euer Lösungsansatz?: Wir vereinen mit unserem Konzeptvorschlag beide Seiten der Medaille miteinander. Wir schaffen eine Basis, die sich aus den Grundrechten ableitet. Diese besteht aus einem wissenschaftlichen Konsens darüber, welche Fähigkeiten von Nöten sind, damit die in den Grundrechten abgebildeten Entwicklungsziele für die nachfolgenden Generationen erreicht werden können. Von dieser Basis ausgehend behalten die Schulen die Freiheit, selbst zu entscheiden, mit welchen pädagogischen Konzepten und Methoden sie diese Ziele erreichen wollen. Sie können ihre eigenen methodisch-didaktischen und inhaltlichen Schwerpunkte setzen und ihr Curriculum hier selbst verfassen. Sie öffnen sich nach außen, um den Blick für lokale und parallel globale Herausforderungen und darin verborgene Lösungspotenziale zu schärfen. Auf diesem Wege entsteht eine vielfältige Bildungslandschaft in Deutschland, mit regionalen Besonderheiten, die einerseits der Verantwortung des Staates gerecht wird und andererseits den Raum zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gibt sowie den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit, ihre Zukunft selbst zu gestalten.

Von welchen Annahmen geht Ihr bei eurem Lösungsansatz aus?: Wir gehen davon aus, dass wir die Zukunft nicht vorhersehen, sie jedoch dank unserer Fähigkeiten positiv entwickeln und gestalten können - und dass es die Pflicht der Erwachsenen ist, ihre Kinder dazu zu befähigen. Dies entspricht den Aufgaben, die sich aus dem Grundgesetz (insbesondere Artikel 1 & 2) sowie den Kinderrechten ergeben, ergänzt um die nationale Strategie zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Wer profitiert von dieser Lösung? Wer nutzt diese Lösung?: Neben den in den vorherigen Fragen bereits ausführlich beschriebenen Zusammenhängen zwischen dem Curriculum und den Akteur*innen des Bildungssystems, heben wir an dieser Stelle die Schüler*innen besonders hervor. Dank der Gestaltungsfreiheit, die den Schulen bei der Wahl der Themenfelder, Methodiken und Konzeptionen gewährt wird, können die Schüler*innen endlich selbstbestimmte Lernräume erfahren und damit wird ihnen ihr Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit gewährt.

Welche Wirkung soll eure Lösung erzielen? Wie soll eure Lösung die Situation verändern? Was ist der langfristige Wert eurer Lösung?: Das ganzheitliche Curriculum für lebendige Schulen soll einerseits eine den Grundrechten gerecht werdende qualitativ gleichwertige Basis garantieren und andererseits Raum zur individuellen Gestaltung im Sinne der Lernenden für die Schulen ermöglichen. Die Schüler*innen sollen durch ihre Neugier und ihren Wissensdurst die Welt mit all ihren Sinnen, von ihren Interessen und Potenzialen geleitet, entdecken. Dafür braucht es eine achtsame Fehlerkultur und bewertungsfreie Lernräume. Die Freiheit, die die Schulen besitzen werden, garantiert eine flexible und schnelle Reaktion auf Veränderungen der kommenden Zeit. Langfristig entwickelt sich dadurch eine vielfältige Bildungslandschaft, die eine hohe Bildungsqualität sichert. Jeder Mensch wird dazu befähigt, sein Potenzial frei zu entfalten und zu einem verantwortungsvollen, achtsamen, kooperativen, kreativen und inklusiven Gestalter der Gesellschaft zu werden.

Welche Voraussetzungen oder Rahmenbedingungen braucht es für die Umsetzung eurer Lösung? Sind diese bereits gegeben?: Die Voraussetzung für den Einsatz des ganzheitlichen Curriculums für lebendige Schulen ist, dass alle Länder das ganzheitliche Curriculum als ein nationales Curriculum anerkennen. Die Weiterentwicklung bzw. Aktualisierung dieses Curriculums ist darauf angewiesen, dass alle Akteur*innen des Bildungssystems darin einbezogen werden. Außerdem kann das ganzheitliche Curriculum nur dann sicher etabliert werden, wenn auch das gesamte Schulsystem diesem Transformationspotenzial nachfolgt: Personalschlüssel Klassenstärken Lernfördernde Architektur und Standort der Schulgebäude Medienausstattung etc.

Wie habt ihr die Lösung entwickelt? Welche Aspekte habt ihr dabei berücksichtigt?: Inspiriert von dem Zielbild des Zukunftsrats, haben wir uns ausführlich über die verschiedenen Elemente des Curriculums ausgetauscht und gegenüber den Zielen, die wir damit verfolgen, bewertet. Dazu verwendeten wir Design-Thinking-Elemente und die Walt-Disney-Methode. Wir setzten Miroboard und Google-Docs sowie den Slack-Channel und Webex ein. Mittels dieser Methoden und Tools haben wir über die Gewichtungen der Elemente diskutiert und schließlich das Konzept fertiggestellt. Wir haben den Anspruch, dieses im Nachgang an den Hackathon in die Umsetzung zu bringen, sodass auch inhaltlich die Elemente gefüllt werden.

Habt ihr bei Null angefangen oder hattet ihr bereits einen vorher bestehenden Ansatz? Was war euer Fortschritt in der Hackathon Woche?: Dank unserer eigenen Visionen, unserem interdisziplinären Wissens und dem Zielbild, bestand unser Fortschritt daraus, die im Konzept enthaltenen Elemente in Beziehung zueinander zu bringen, um sie auf unsere Ziele abzustimmen.

Auf welchen zeitlichen Rahmen ist die Umsetzung der Lösung angesetzt? Was wären die nächsten Schritte?: Um dieses ganzheitliche Curriculum umsetzen zu können, bedarf es der Gründung einer interdisziplinären Projektgruppe, um die Elemente inhaltlich zu füllen. Diese Projektgruppe setzt sich aus den betroffenen Akteur*innen (Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern, weiteres pädagogisches Personal) sowie Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Dank der bereits umfassend vorhanden Ressourcen aus Wissenschaft, Praxis und Empfehlungen von Institutionen wie der OECD ist es realistisch, dass diese Projektgruppe innerhalb von einem Jahr zu einem ersten Ergebnis kommen kann. Es ist im Anschluss erforderlich, dass sich die KMK und Vertreter*innen des BMBF in einen konstruktiven Austausch mit der Projektgruppe tritt, sodass gemeinsam das nationale Curriculum entstehen kann. Anschließend muss die Einführung desselben von umfassenden Weiterbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte, Leitungen und weiterem Schulpersonal begleitet werden. Diese werden dadurch dazu befähigt, die mit dem Curriculum einhergehende pädagogische Haltung einzunehmen, um es erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Hier können die bereits vorhandenen umfangreichen Strukturen im öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor ausgeschöpft werden. Daraus ergibt sich ein langfristiger, ergiebiger Transformationsprozess für die Bildungslandschaft Deutschland, um diese ins 21. Jahrhundert zu führen.

Was benötigt ihr an Ressourcen (Wissen, Wo/Men-Power, Budget etc.) für eine erfolgreiche Umsetzung?: Wir benötigen die Mittel, um eine Projektgruppe zusammenstellen zu können, die alle Akteursgruppen des Bildungssystems adäquat abbildet. Im Anschluss sind wir darauf angewiesen, dass die KMK sowie Vertreter*innen des BMBF offen dafür sind, diesen Vorschlag für ein ganzheitliches Curriculum eingehend zu prüfen und ggf. gemeinsam mit uns weiterentwickeln zu wollen. In welchem Umfang dafür finanzielle Mittel benötigt werden, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen.

Wer sind die relevanten Stakeholder in der Umsetzung und müsste mit „ins Boot“ geholt werden?: - Schüler*innen - Eltern - Lehrkräfte, Pädagog*innen, Leitungen - Schulträger - Bildungswissenschaftler*innen - Bildungsexpert*innen aus dem praktischen Feld - Weitere Expert*innen aus den der Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Bildungswissenschaft anverwandten Bereichen: Psychologie, Soziologie, Neurowissenschaft

Wie bewertet Ihr selbst die Umsetzbarkeit und Skalierbarkeit eurer Lösung?: Sofern der Wille der KMK und des BMBF vorhanden ist, ist diese Lösung innerhalb von maximal zwei Jahren und ohne großen Kostenaufwand umsetzbar. Es werden darüber hinaus jedoch umfangreiche Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte, Pädagog*innen und Leitungen nötig werden. Ein ganzheitliches, zukunftsweisendes, nationales Curriculum verlangt eine Weiterentwicklung der pädagogischen Haltungen zu neuen Lernparadigmen des 21. Jahrhunderts, damit dieses erfolgreich umgesetzt werden kann.

Seid ihr als Projektteam selbst an der Umsetzung interessiert? Wenn ja, wer hat welche Rolle in Eurem Team?: Madita E. Heubach, Bildungssystemdesignerin: Als Bildungswissenschaftlerin an der Teilnahme der Projektgruppe interessiert. Sonja Hollstein, Bildungsaktivistin https://www.instagram.com/schuleimwandel/, Dozentin der Biologiedidaktik, Mitarbeiterin im ZZL der Leuphana und Lehrerin und BNE Ansprechpartnerin an einer IGS in Lüneburg: An der Teilnahme der Projektgruppe interessiert. Beatrice Böings, Grundschullehrerin: An der Teilnahme der Projektgruppe interessiert. Susanne Bosse, Förderschullehrerin: An der Teilnahme der Projektgruppe interessiert. Sabrina Baha, Ingenieurin, Materialwissenschaftlerin: An der Teilnahme der Projektgruppe interessiert. Thomas Nawrath, Lehrer und Fachberater bei der Senatorin für Kinder und Bildung der Stadt Bremen: An der Teilnahme der Projektgruppe interessiert.

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