1. Problembeschreibung

Infolge der durch die Corona-Pandemie in Deutschland verursachten Schulschließungen ab Mitte März 2020 wurden Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen plötzlich vor die Herausforderung gestellt, ein Lernen auf Distanz zu ermöglichen. Massive Unterschiede in der schulischen sowie häuslichen technischen Ausstattung, den digitalen Kompetenzen und der Erfahrung mit weitgehend selbstständigem Lernen führten dazu, dass der Fernunterricht in vielen Fällen nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte. Und selbst bei einer ausreichenden technischen Ausstattung führte das Festhalten an traditionellen Unterrichtsstrukturen zu weitreichenden Problemen. Viele Schüler*innen wurden von einer Flut von Aufgaben und Übungen überrollt, die sie nun alleine zu Hause erledigen sollten. Eltern sahen sich plötzlich in die Rolle der Lehrkraft gedrängt, obwohl sie zeitlich und auch inhaltlich verständlicherweise nicht immer bei den Aufgaben helfen konnten. Und Lehrer*innen kamen mit der Korrektur der Aufgaben und dem Feedback für die Lernenden nicht mehr hinterher. Schnell machte sich Frust bei allen Beteiligten breit, da sich viele Schüler*innen, Eltern und auch Lehrer*innen überfordert und allein gelassen fühlten. Ähnliche Probleme dürfen sich im kommenden Schuljahr 2020/2021 nicht wiederholen. Stattdessen muss eine erfolgreiche Verzahnung von Distanzlernen und Präsenzunterricht stattfinden, um alle Beteiligten zu entlasten, den Schüler*innen trotz allem ein erfolgreiches Lernen zu ermöglichen und am Ende sogar langfristig von den Änderungen zu profitieren.

2. Lösungsbeschreibung

Aus diesen Gründen entwickeln wir einen dynamischen Leitfaden rund um das bereits bekannte Modell des „Flipped Classroom“. Der Leitfaden für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen soll dabei helfen, die Unterrichtsform des „Flipped Classroom“ möglichst flächendeckend einzuführen und damit einen Unterricht zu gestalten, der zum einen pandemie-resilient ist und zum anderen Schüler*innen motiviert und ihnen ein selbstständiges und selbstbestimmtes Lernen ermöglicht. Das Modell des „Flipped Classroom“ kehrt traditionelle Unterrichtsstrukturen um und verlagert die Einführung in neue Lerninhalte in eine außerunterrichtliche Phase, etwa in die Hausaufgaben oder aktuell in das Distanzlernen zu Hause. Dadurch können sich die Schüler*innen den neuen Stoff, z.B. eine grammatische Struktur in der Fremdsprache, in Ruhe mit Hilfe von Erklärvideos, Übersichten und Beispielen erschließen. Das individuelle Lerntempo sowie die persönlichen Voraussetzungen der Schüler*innen werden hierbei berücksichtigt: Die Erklärvideos können beliebig oft angeschaut und zusätzliche Informationen herausgesucht werden. In der darauffolgenden Phase des Präsenzunterrichts kann der neue Lerninhalt dann aufgegriffen werden. Nachdem Fragen geklärt wurden, steht im Unterricht viel Zeit zum Üben, Anwenden und Vertiefen zur Verfügung – etwas, was im traditionellen Unterricht oft zu kurz kommt oder in die Hausaufgaben verlegt wird. Im Präsenzunterricht bietet sich jedoch der Vorteil, dass die Schüler*innen Unterstützung und direktes Feedback erhalten können. Von diesem Unterrichtsmodell profitieren auch die Eltern: während sie aktuell oft bei Aufgaben und Übungen helfen mussten, bei denen sie selbst überfragt waren, übernimmt diese Aufgabe im Modell des „Flipped Classroom“ die Lehrkraft im Präsenzunterricht. Gleichzeitig werden die Lehrer*innen entlastet, da sie den Schüler*innen im Präsenzunterricht direktes Feedback geben können, statt, wie bisher, unzählige schriftlich eingereichte Übungen aus dem Distanzlernen korrigieren und neue Aufgaben vorbereiten zu müssen. Die aktuellen Unterrichtsumstände mit Präsenz- und Distanzlernphasen bieten sich für das Modell des „Flipped Classroom“ geradezu an: Eine Umsetzung des Modells wäre bei entsprechender Anleitung der Beteiligten und der technischen Grundausstattung problemlos durchführbar.
Und auch bei einer Rückkehr zum regulären Schulunterricht nach der Corona-Pandemie wäre das Konzept gut umsetzbar und würde viele Vorteile mit sich bringen. An Ganztagsschulen könnte man verstärkt Selbstlernphasen etablieren, in denen Schüler*innen sich eigenverantwortlich und ihrem Lerntempo entsprechend Inhalte erschließen, bevor diese in Phasen des gemeinsamen Unterrichts geübt, angewandt und vertieft werden können. Alternativ könnte diese Selbstlernphase in die Hausaufgaben verlagert werden. Unser Leitfaden soll Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen dabei unterstützen, diese neue Strukturierung von Unterricht gewinnbringend umzusetzen. Er soll allen Beteiligten die Angst vor einer Veränderung des Lernens nehmen und stattdessen die weitreichenden Vorteile des „Flipped Classroom“-Modells aufzeigen: Neben der Förderung von Eigenverantwortung und Medienkompetenz wird ein moderner, motivierender und schülerzentrierter Unterricht möglich, der Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen entlastet und Lernen bestmöglich individualisiert.

3. Vorgehen und Fortschritt

Unsere Arbeit am dynamischen Leitfaden zum „Flipped Classroom“ basiert vor allem auf den persönlichen Erfahrungen der Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen im Team mit dem Distanzlernen der letzten Wochen und orientiert sich an Wünschen und Vorstellungen für das kommende Schuljahr. Nach einem gemeinsamen Brainstorming und der Organisation der diversen Ideen entstand nach und nach eine konkretere Vorstellung vom Leitfaden für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen. So soll dieser den Beteiligten als konkrete Übersicht und Planungshilfe zur Umsetzung des „Flipped Classroom“ dienen und vor allem praktische Tipps und Tricks sowie Beispiele beinhalten, etwa zur Erstellung von Erklärvideos oder zur Strukturierung des Unterrichts in Selbstlern- und Unterrichtsphasen. Schüler*innen und Eltern sollen hier Informationen darüber finden, was die Phasen des „Flipped Classroom“ voraussetzen und wie sie am besten genutzt werden können. In täglichen Team-Videokonferenzen tauschten wir uns über die nächsten Schritte aus. Insgesamt lernten alle Teammitglieder viel voneinander dazu und empfanden die Zusammenarbeit als sehr bereichernd.

4. Prototyp

Momentan existiert lediglich das Grundgerüst des Leitfadens. Die gesammelten Ideen wurden zwar bereits teilweise verschriftlicht und veranschaulicht, jedoch ist das Dokument insgesamt noch unvollständig.

5. Nächste Schritte

In einem nächsten Schritt muss der Leitfaden um die entsprechenden Inhalte erweitert und vervollständigt werden. Dies gilt für Texte genauso wie für weitere Elemente wie QR-Codes zu Videos, weiterführende Links und Grafiken. Ein kurzes Erklärvideo zum Konzept des „Flipped Classroom“ steht als Beispiel für mehrere denkbare Video-Inhalte zum Leitfaden. So wurde bereits von Schüler*innen das Skript zum Erklärvideo ins Türkische übersetzt, um türkischsprachigen Eltern ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Zudem ist eine einheitliche und übersichtliche Gestaltung vorzunehmen. Der Leitfaden soll in Form einer PDF so strukturiert werden, dass Schulen am Ende die Möglichkeit haben, einzelne Elemente beziehungsweise Seiten auszuwählen, die sie für relevant halten. Informationen und Beispiele zu digitalen Tools, die an einzelnen Schulen beispielsweise nicht eingesetzt werden sollen oder dürfen, können so aus dem Leitfaden herausgenommen werden. Somit kann der Leitfaden von jeder Schule auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Auch Schablonen zum Ergänzen des Leitfadens sind denkbar. Für diese Schritte wäre das Know-How von Experten zum Modell des „Flipped Classroom“ sowie zur digitalen Produktentwicklung wünschenswert. Einige Mitglieder unseres aktuellen Teams wären zudem daran interessiert, am Leitfaden weiterzuarbeiten, darunter Lehrer*innen mit Erfahrung im „Flipped Classroom“, interessierte Eltern sowie eine Verlagskauffrau.

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