DIGITAL DEKAMERON 2020: ZEHN MENSCHEN. ZEHN GESCHICHTEN. JE ZEHN MINUTEN.

Ausgangsfrage:
Das Dekameron ist eine Novellensammlung, die von zehn Menschen erzählt, die sich mit dem Erzählen von Geschichten über die Zeit der Pest retten. Wie können wir dieses Prinzip auf Corona und das Gebot des Social Distancing übertragen?

Die Idee:
Online-Videochat, der einer begrenzten Anzahl von Teilnehmenden einen geschützten Raum bietet, Geschichten zu erzählen, zu lauschen und dadurch eine gruppentherapeutische Wirkung entfaltet.

Projektbeschreibung:
Im Frühjahr des Jahres 1348 flohen sieben Frauen und drei Männer vor der Pest in ein Landhaus in den Hügeln der Toskana. Dort versuchten sie, sich gegenseitig mit Geschichten über die Zeit der Seuche zu retten. Nach zehn Tagen und zehnmal zehn Geschichten kehrten sie nach Florenz zurück. So erzählt es Giovanni Boccaccios weltberühmte Novellensammlung “Das Dekameron” . Wir wollen die uralte, gemeinschaftsstiftende, heilende Macht des Erzählens gegen die soziale Vereinzelung in der Corona-Krise setzen. Wir wollen beweisen, dass digitale Nähe kein Widerspruch in sich ist, sondern dass Zuhören und Mitmenschlichkeit auch an einem virtuellen Lagerfeuer möglich sind.

Es geht um einen Perspektivenwechsel in Zeiten der physischen Isolation. Es geht um das virtuelle Zusammenkommen. Es geht um Menschen und ihre Geschichten.

Wie sieht die Umsetzung aus?

  • 10 Menschen versammeln sich. Ein oder mehrere Gastgeber*innen laden weitere Personen zu einem festgelegten Video-Meeting auf Hangout oder einer anderen Plattform ein. Ob diese bereits befreundet oder noch Fremde sind, spielt dabei keine Rolle. Am digitalen Lagerfeuer kommen sich die Teilnehmenden ohnehin bald nah.
  • 10 Geschichten werden erzählt. Ob aus einem Buch vorgelesen, aus persönlicher Erfahrung erzählt oder dem Quell der eigenen Kreativität vorgetragen, ist dabei den Teilnehmenden selbst überlassen.
  • 10 Minuten hat jede*r für seine Geschichte.
  • Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, wenn die Gastgeber*innen etwas moderieren, also die Teilnehmenden begrüßen, die Regeln nochmal kurz erklären und durch den Abend führen.
  • Es hat sich bewährt, dass die Teilnehmenden sich kurz vorstellen, ehe sie ihre Geschichten erzählen, um eine vertraute Atmosphäre zu schaffen.
  • Solange jemand erzählt, sollten die anderen nur zuhören und am besten das Mikrofon ausschalten.
  • Applaus nach jeder Geschichte oder ein anderes Ritual, das ihr für euch findet, tun gut. Diskussion oder Feedback sind unserer Erfahrung nach nicht nötig. Wir raten eher zu einer kurzen Schweigepause, um die Geschichte wirken zu lassen.
  • Ob ihr euch am Ende nochmal darüber austauscht, welche Resonanzen die Geschichten bei euch hervorgerufen haben, liegt natürlich ganz bei euch.
  • Eine Runde sollte zwar aus 10 Teilnehmenden bestehen, kann aber gegebenenfalls auch mit weniger Personen durchgeführt werden. Unsere Empfehlung liegt hier bei mindestens 6 Teilnehmenden.
  • Das wichtigste zum Schluss: Teilt eure Erfahrungen mit dem Digital Dekameron mit Freunden, Familie, Bekannten und lasst uns gemeinsam den Funken der Hoffnung zu einem internationalen Lagerfeuer ausbreiten. :-)

Das Digitale Dekameron ist ein Open-Source-Projekt, das aufgegriffen, weiterentwickelt und wie ein gutartiges Virus weiterverbreitet werden soll.

Als Anstoß und Basisorientierung bieten wir folgende Elemente:
Durch einen teilbaren Teaser (Grafik mit Kurztext) wird auf eine Website verwiesen. Quelle und Produzenten bleiben langfristig transparent und nachvollziehbar, um Sicherheit und Seriosität zu gewährleisten. Dieses “zentrale Lagerfeuer” gibt Interessent*innen die Möglichkeit, Anleitung und Unterstützung zu finden. Das Prinzip ist simpel, schnell nachvollziehbar und mit einfachen Mitteln umzusetzen. Da Rahmen und Regeln einfach sind, bergen sie um so mehr Möglichkeiten, sie kreativ zu füllen und zu verändern.

Potenzial:
Gleichzeitig trägt das Digital Dekameron in sich das Potenzial, als inspirierender Impuls über seine Ursprungsform hinaus zu Abwandlungen und Weiterentwicklungen anzuregen. Warum soll man beim Vorlesen oder Erzählen von Geschichten bleiben? Man könnte sie doch auch spielen … Warum bei einer einzelnen, geschlossenen Geschichte bleiben, man könnte Fortsetzungsgeschichten generieren, könnte aus Fragmenten rundum eine fortlaufende Geschichte stricken … Die Erzählmöglichkeiten sind endlos. Warum nur erzählen? Warum nicht ein Hörstück? Warum nicht einen Schal stricken, Collagen zwischen den Fenstern basteln, Choreografien zusammenstellen …

Perspektiven/Stand der Entwicklung:
Wir laden ausdrücklich dazu ein, an allen Elementen weiter zu feilen, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Eine Webseite ist in Arbeit. Die Grundidee steht, ist erprobt und funktioniert. Nun spielt damit!

Elemente:

  • Grafik/Teaser mit Link zur Website
  • Werbevideo, exemplarisch, das (mit Link zur Website) separat geteilt werden und in die Website integriert werden kann. Evtl. Trennung Werbevideo/Beispielvideo.

Website mit Erklärung, Einführung und allen notwendigen Hilfestellungen, z. B. auch zum Zugang, Handhabung verschiedener Videochat-Tools (Google Hangout, Zoom …). Ideal sind hier a) weit verbreitete und b) Open-Source-Lösungen Angebot von Coachs/Moderator*innen für neu startende Gruppen auf der Website

Wir haben das Projekt in zwei Testläufen erprobt und mit allen Teilnehmenden evaluiert.

Einsatzbereiche/Wirkebenen:

  • Kernbereich - Nähe erleben, Kampf gegen die Vereinzelung
  • so viele Sinne wie digital machbar integrieren/ansprechen
  • Unterhaltung
  • Kultur
  • Selbsthilfegruppe
  • Therapiegruppe
  • Kreativgruppe

Mitwirkende:

  • Moritz Geiser
  • Oliver Hoffmann
  • Lars Künstler
  • Janna Lange
  • Marcus Meier
  • Caro Reif
  • Christina Schill
  • Kerstin Weiberg
  • Thomas Zorbach
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