Was hat uns inspiriert? Laut WHO gibt es auf dem afrikanischen Kontinent noch unter 500 Infektionen mit dem Coronavirus (Stand: 19.3.2020). Damit sich die Menschen dort schützen können, müssen wir dringend agieren. Die Herausforderung also lautet: wie können wir möglichst viele Menschen möglichst schnell und direkt mit Gesundheitsinformationen erreichen? Anders als in entwickelten Ländern haben auf dem afrikanischen Kontinent noch immer viele Menschen kein Internet, besonders in ländlichen Gebieten. Alphabetisierungsraten sind niedrig, und oft wird nur in der lokalen bzw. Stammessprache kommuniziert. Zudem ist die Versorgung mit verlässlichen Informationen über Medien wie Radio und TV nicht überall gewährleistet.

Bei der Lösung spielen einfache Handys eine besondere Rolle. Denn statistisch haben bereits 80% aller Menschen auf dem afrikanischen Kontinent einen Mobilfunkvertrag, während nur 36% das Internet nutzen. Hier ist das Telefon mehr als ein Telefon - es ist ein Entwicklungsmotor der besonderen Art. Wo sich kein Krankenhaus in Reichweite befindet, können Menschen mobilen medizinischen Rat erhalten. So konnten bereits 2014 viele Menschen bei der Ebolafieber Epidemie im westlichen Afrika informiert werden. Aber das galt nur für diejenigen, die SMS lesen konnten. Wir haben uns daher von dem Gedanken “back to basics - aber besser” inspirieren lassen. Also eine Lösung, die ohne Internet funktioniert, kostenlos ist und durch den interaktiven Sprachdialog die Herausforderung des Analaphateismus und der lokalen bzw. Stammessprachen adressiert.

Was haben wir gelernt? Durch das Nutzen von Viamos bereits existierender Plattformen kann innerhalb kürzester Zeit Inhalt adaptiert werden, um schnell Informationen für vielfältige Zielgruppen bereitzustellen. Gerade angesichts der schnell steigenden Fallzahlen und der Dringlichkeit, eine weitere Ausbreitung in Afrika zu verhindern, erscheint uns dies eine wichtige Erkenntnis.

Wie wir es gebaut haben? Im Laufe des Hackathons haben wir nach nutzbaren Inhalten für das Sprachinteraktionssystem der Viamo Plattform gesucht, um diese auf COVID-19 zu adaptieren. Diesen Inhalt haben wir dann eingesprochen und über die Plattform in ein interaktives Telefonquiz eingefügt, welches nun über eine deutsche Telefonnummer beispielhaft angerufen werden kann. Probiert es aus: 032 2142 19011 oder 001-647-560-9151. (Die US-Nummer ist kostenlos: Einmal klingeln lassen dann auflegen, du wirst zurück gerufen) Der Inhalt des Telefonspiels - also der eingesprochene Text - ist Open Source.

Welche Nutzen sehen wir?

Gesellschaftlicher Mehrwert: Weitreichende Informationen zu Präventionsmaßnahmen helfen so viele Ansteckungen zu vermeiden wie möglich. Der Mehrwert dieser Lösung für die Gesellschaft ist, dass in Ländern mit geringen Kapazitäten im Gesundheitssektor nun präventive Informationen verfügbar werden, um auf auf das Coronavirus zu reagieren. Es dient insbesondere den Ländern, in denen die üblichen Strukturen für eine flächendeckende Kommunikation nicht gegeben sind. Ein weiterer Mehrwert besteht darin, dass der gesamte Inhalt, der im Hackathon erstellt wurde, unter offenen Lizenzen steht und frei wiederverwendbar ist (open source / creative commons). So können andere darauf aufbauen und sie nachnutzen.

Innovationsgrad: Das Besondere hierbei ist, dass wir eben nicht ein hoch technologisches Tool nutzen, sondern uns von dem Gedanken “back to basics - aber besser” leiten lassen. Wir verlassen uns auf Geräte, die die Menschen vor Ort bereits besitzen und benutzen. Denn ohne die entsprechende Infrastruktur ist jede Lösung einfach nicht effektiv. Die WHO hat bereits 2014 Mobiltelefone genutzt - damals mit der SMS Funktion. Derzeit ist die WHO mit dem Fortschritt der Technologie mitgegangen und bietet Informationen mit einem WhatsApp-Link an. Beide Lösungen setzen voraus, dass der Adressat lesen kann - und das in einer der offiziellen Sprachen im Land. Die Statistik zeigt jedoch, dass vor allem Menschen im ländlichen Raum oft Analphabeten sind und zudem meist nur in ihrer lokalen bzw. Stammessprache kommunizieren. Daher erschien uns eine Audio-basierte Lösung viel zielgerichteter und effektiver.

Skalierbarkeit: Alle Audioinhalte, die wir zur Information und Prävention gegen Corona erstellen, werden zunächst als Skript erstellt und können in zahlreichen Zielländern umgesetzt werden. Viamo besitzt bereits bestehende Informationshotlines in 29 Ländern, auf denen 2019 insgesamt 67 Mio. Messages von insgesamt 6 Mio. Personen abgerufen wurden. Auf diesen Hotlines kann der erstellte Inhalt gepostet werden, was technisch schnell und reibungslos möglich ist. Zudem besitzt Viamo vor Ort bereits exklusive Partnerschaften mit nationalen Mobilfunkanbietern, wodurch die Anrufe für die Personen vor Ort kostenlos sind. Besonders interessant wird es bei der Bandbreite von Inhalten die auf diese Weise kommuniziert werden können. Für einen Überblick zu den bereits bestehenden Ideen- schau dir gerne unser Dokument zu Skalierbarkeit an.

Fortschritt: Viamos Plattform für Sprachinteraktion existierte bereits vor dem Hackathon und konnte für die Bereitstellung von Inhalten genutzt werden. Während des Hackathons ging es also darum, diese Inhalte durch Recherche zusammenzutragen, ein neues Audioformat zu COVID-19 auf Englisch (und Deutsch) einzusprechen, bei viamo zu integrieren und über eine Hotline verfügbar zu machen. Aufbauend auf diesem Fortschritt kann der Inhalt nun in verschiedenen Sprachen übersetzt und in weiteren Ländern zur Verfügung gestellt werden. Verständlichkeit: Die hier erarbeitete Lösung ist sehr simpel, adressiert die oben beschriebenen Herausforderungen, und ihr Mehrwert ist gut kommunizierbar. Das sind alles Faktoren, die dabei helfen werden, die notwendige Zustimmung und Einbindung der lokalen Behörden und Ministerien in den Ländern zu erhalten, mit denen noch keine Kooperationen bestehen.

Welchen Herausforderungen sind wir begegnet? Die größte Herausforderung war es, innerhalb der vorgegebenen Zeit ein Minimum Viable Product herzustellen. Daher haben wir es bisher nur auf Englisch und beispielhaft auf Deutsch eingesprochen und inhaltlich der präventiven Information angepasst. Das vorliegende Produkt wird durch die Ausbaufähigkeit besonders attraktiv: sobald man den Inhalt auch in lokalen bzw. Stammessprachen einsprechen würde, wäre die Reichweite und Wirkung erheblich größer. Überdies könnte zum einen der Inhalt modifiziert werden, so dass nicht nur Information zur Prävention bereit gestellt werden, sondern auch zur Klärung von Symptomen. Zum anderen können aber auch weitere Funktionalitäten, wie die Meldung und Bearbeitung von Verdachtsfällen u.a. Ermöglichen, entwickelt werden. Eine weitere Herausforderung, die wir bei der konkreten Umsetzung sehen, ist die notwendige Einbindung der lokalen Strukturen wie z.B. Behörden und Ministerien. Hier könnte man jedoch auf bisherige Erfahrungen von Viamo oder auch andere Organisationen wie WHO oder GIZ zurückgreifen und davon lernen.

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