Inspiration

Als die Schulen im März geschlossen wurden, standen die meisten SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern erstmal vor einer großen Herausforderung. Zwar gibt es schon seit Jahren das Ziel, die Bildung zu digitalisieren, doch das war zu dieser Zeit noch lange nicht so weit entwickelt, dass alle Beteiligten wussten, wie man digitale Medien aktiv in den Unterricht einbringt oder sogar den gesamten Unterricht digitalisiert. Und so war bei der Unterrichtsgestaltung Spontanität, Kreativität und Engagement gefragt, wie man das Beste aus der Situation machen konnte. Das hat auch erstaunlich schnell funktioniert, zumindest in manchen Fällen. Die Reichweite des Engagements und der Motivation reicht von LehrerInnen, die direkt vom ersten Tages des Homeschoolings an ihre gesamte Energie und jede freie Sekunde in die Entwicklung des Online-Unterrichts steckten, Fragen beantworteten und immer verfügbar waren, bis zu LehrerInnen, von denen man vielleicht mal frühestens nach den Osterferien eine Mail als Lebenszeichen bekommen hat. Doch auch die Familien standen und stehen immer noch vor großen Herausforderungen, was das Lernen von zu Hause aus angeht. Da gibt es auf der einen Seite die Musterschüler, die direkt von Anfang an alle Arbeitsaufträge mit höchster Sorgfalt erledigt haben und sich scheinbar 24/7 nur noch mit Schulkram beschäftigt haben, es gibt die Schüler, die es ein bisschen lockerer haben angehen lassen, ihre Arbeitsaufträge erledigt haben und sich dann über ihre freie Zeit gefreut haben. Dann gibt es aber auch noch die Gruppe der Schüler, bei denen gar nichts passiert. Doch auch die Familien standen und stehen immer noch vor großen Herausforderungen, was das Lernen von zu Hause aus angeht. Klar gibt es einerseits die SchülerInnen, die gar keine Probleme mit der Situation haben und gut mit dem Stoff und dem selbstständigen Lernen zurechtkommen, doch es gibt eben auch SchülerInnen, die sich zu Hause nicht sinnvoll organisieren können oder denen vielleicht die digitale Ausstattung zum Lernen fehlt. Wie ist die Situation der Eltern? Was tut eine alleinerziehende Mutter mit drei schulpflichtigen Kindern, die aber gleichzeitig noch ihren Job im Homeoffice, und vielleicht die Pflege kranker Angehöriger auf ihrer ToDo-Liste stehen hat?? Es stellte sich die Frage: Wie kann man Schule in den Alltag integrieren, wenn der Lernort Schule ausfällt? Nun, da wir langsam wieder den Schulalltag hochfahren, stellt sich eine neue Frage: Wollen wir die ganzen Möglichkeiten, die wir während des Homeschoolings entdeckt haben, jetzt wieder vergessen? Und was macht man, wenn es erneut zum Lockdown kommen sollte? Will man wieder von vorne beginnen? Wir wollen eine Mischung aus Präsenzunterricht und Homeschooling, in der die Vorteile beider Systeme vereint werden.

Unsere Erkenntnisse

Die größte und wichtigste Erkenntnis, die wir aus unseren Diskussionen gezogen haben: Diese EINE Lösung gibt es nicht. Dafür sind wir Menschen einfach so unterschiedlich. Jeder Schüler lernt anders gut, in anderer Geschwindigkeit, mit anderen Hilfsmitteln und mit unterschiedlich viel Unterstützung. Und genauso, wie das Lernerlebnis für jeden individuell ist, so müssen auch die herangehensweisen individuell und flexibel sein. Damit man aber inmitten dieser ganzen Individualität nicht den Überblick verliert, ist es sinnvoll, eine einheitliche Grundstruktur zu errichten, in der jeder Schüler dann seinen eigenen Bedürfnissen nachkommen kann. Wichtig ist dabei vor allem die Organisation und Ordnung. In einem Chaos aus Hausaufgaben und Arbeitsaufträgen, manchmal über die Schulplattform, manchmal per Mail, manchmal über beides, manchmal gar nichts, verliert jeder irgendwann den Überblick. Insofern ist es wichtig, dass man sich schulintern immer auf ein Netzwerk einigt, das dann von allen Lehrern verwendet wird. Und da muss ja nicht mal eine neue Plattform entwickelt werden, es gibt bereits etliche gute Schulnetzwerke, die auch datenschutzmäßig konform sind und die man auch als Nicht-Computergenie bedienen kann. Positiv während der Zeit der geschlossenen Schulen kamen auch Videokonferenzen an. Die Schüler sind beschäftigt, es gibt nicht nur schriftliche sondern auch mündliche Kommunikation mit den Lehrkräften und Fragen, die während der Bearbeitung der Arbeitsaufträge entstanden sind, können geklärt werden. Jedoch gibt es mit diesen Videokonferenzen auch einige Schwierigkeiten. Bei vielen Schülern kann es nämlich häufig vorkommen, dass die Internetverbindung schlecht ist, dann sind die Bilder verpixelt und man kann die anderen Teilnehmen nicht mehr richtig verstehen. So einfach ist dieses Problem nicht zu lösen, doch es würde schon helfen, wenn während der Videokonferenzen ein Protokoll geschrieben würde, in dem man die Inhalte nochmal wiederholen könnte.

Ein Knackpunkt für das Gelingen des Homeschoolings ist auch die erfolgreiche Selbstorganisation der Schüler. Vielen fällt es ohne den strukturgebenden Präsenzunterricht schwer, den Alltag sinnvoll zu strukturieren. Da kann man unterstützend wirken, indem regelmäßig Videokonferenzen abgehalten werden und die SchülerInnen die Vorlage für einen Wochenplan bekämen, in dem sie ihre Zeiten planen könnten. Für viele Schüler mag das zwar dann sehr kontrollierend wirken, doch es hilft SchülerInnen mit Organisationsproblemen sehr, eine Struktur in den Tag zu bringen und nicht den Überblick zu verlieren.

Ebenfalls finden wir, dass die Rahmenbedingungen für das Homeschooling generell strenger gefasst werden sollten. Klar ist es nicht fair, dass SchülerInnen, die zu Hause keine Gelegenheit zu lernen haben, dafür schlecht bewertet werden, aber ist es fair, dass SchülerInnen, die sich wirklich anstrengen, dafür nicht auch mit guten Noten belohnt werden?? Und so finden wir, dass Leistungen aus dem Homeschooling zwar nicht negativ in die Bewertung einfließen sollten, positive Leistungen sollten jedoch sehr wohl auch honoriert werden und auf die Zeugnisnote Einfluss haben. Wichtig ist für SchülerInnen auch das Feedback seitens der LehrerInnen. Wenn Arbeitsaufträge nicht abgegeben werden müssen, dann besteht die Gefahr, dass einige SchülerInnen diese dann auch nicht erledigen. Doch was bringt es, Arbeitsaufträge abzugeben, wenn man nicht mal eine Antwort erhält? Woher sollen die Schüler wissen, ob sie das Thema verstanden haben, wenn ihnen niemand dazu eine Rückmeldung gibt? Und hier sollte es dann auch möglich sein, Ereignisse aus dem Homeschooling negativ zu bewerten und zwar wenn erst gar nichts abgegeben wird. Es ist okay, Fehler zu machen, denn aus Fehlern lernt man, doch die Arbeit sollte nicht verweigert werden, in Deutschland gibt es schließlich immer noch und aus sehr gutem Grund die Schulpflicht. Die Abgabepflicht sollte allerdings nicht für alle Aufgaben gelten. Lehrer könnten natürlich die normalen Arbeitsaufträge zur Verfügung stellen, zusätzlich aber auch noch weitere Materialien freigeben, um interessierten SchülerInnen einen tieferen Einblick zu geben.

Für die Zukunft wünschen wir uns, dass in der Schule anders gelernt werden soll als zu Hause. Denn was nützt es, wenn in der Schule in Einzelarbeit Texte gelesen werden? Das können die SchülerInnen ebenfalls zu Hause erledigen, dann bliebe in der Präsenzzeit mehr Raum für Diskussionsrunden, für Gruppenarbeit und Experimente. Es muss unterschieden werden, worauf in der Schule verzichtet werden kann und was die Vorteile des Präsenzunterrichts ausmacht. Durch ausprobieren sammeln Schüler und Lehrer immer mehr Erfahrung, welche Methoden sich für die Anwendung im Regelunterricht anbieten und was eher wenig Erfolg zeigt.

In diesen Zeiten haben wir alle viele neue Erfahrungen gemacht. Noch vor einem halben Jahr hätte es niemand für möglich gehalten, dass so etwas überhaupt möglich sei. Doch wir gehen gemeinsam aus der Krise hervor, nicht geschwächt sondern gestärkt denn die Krise hat uns unsere Schwächen und unsere Stärken gezeigt. Rollen und Aufgaben haben sich verändert. Schüler lernen mehr Selbstständigkeit. Lehrer wirken nicht mehr als Lehrende sondern als Lernunterstützer. Wir brauchen Flexibilität und Motivation. Und durch Ausprobieren können die Systeme dann immer weiter verbessert und geändert werden, dafür müssen aber auch Freiräume gelassen werden.

Die Suche nach der richtigen Lösung tritt in den Hintergrund, wichtiger ist der Weg zur Lösung. Und es ist nicht ein Weg zu einer Lösung, es gibt viele Wege zu vielen Lösungen. Keine dieser Lösungen ist richtiger als die andere, aber durch Ausprobieren kann jeder die Lösung finden, die am besten zu einem passt!

Unsere Herangehensweise

Um so ein Projekt anzugehen, braucht man erstmal ein Team, ist ja klar… Und so haben wir uns dann zusammengefunden: 12 Mitglieder, 8 LehrerInnen, ein paar Eltern mit Kindern, ein Techie und eine Schülerin. Jup, das ist unser Team! Wir sind ein tolles Team und sehr stolz darauf, was wir in dieser Woche erreicht haben! Dann wurde erstmal so ein bisschen belangloses Zeug gemacht, Vorstellung, Teamcoach ernennen, bei DevPost eintragen und so. Doch es ging dann auch ganz schnell ans Eingemachte, wir haben unser Ziel festgelegt: Wir wollen das Beste aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen rausholen und im hybriden Unterricht vereinen! Es wurde erzählt, bei wem mit welchen Plattformen gearbeitet wird und wo man welchen Problemen begegnet. Um zu wissen, was denn überhaupt das Beste an den beiden Unterrichtsformen ist, haben wir kurzerhand diejenigen gefragt, die es am besten wissen müssen: die Betroffenen. Da kam uns natürlich auch unsere gute Gruppen- und Perspektivenmischung zugute, wir haben aus Lehrer-, Schüler- und Elternperspektive die Vor- und Nachteile von Homeschooling und Präsenzunterricht zusammentragen können: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1VrwG3wblF9f6VPsyOjsvdRf-Q1Ig7rjWiE81AASSb0o/edit?usp=sharing Und das war die Grundlage, auf der wir den Rest unserer Herausforderung aufgebaut haben. Zwei unserer Teammitglieder hatten sich sogar schon im Vorfeld des Hackathons sehr intensiv mit dieser Frage beschäftigt und schöne Übersichten und einen Bericht dazu erstellt. So hatten wir dann also schon ganz viele tolle Ideen und Ansätze, die nur noch sortiert und umgesetzt werden mussten. Dafür haben wir eine Videokonferenz veranstaltet, in der wir sehr viel geredet und unsere Ideen konkretisiert haben. Und dann ging es eigentlich auch ganz schnell, wir haben die wichtigsten Stichpunkte gesammelt, das ganze in einem Text verfasst, Bildchen wurden gemalt und dann wurde das Video gedreht. Jetzt ist diese Woche voller Elan und Wlan also vorbei. Für die meisten von uns war #wirfürschule der erste Hackathon. Wir haben neue Menschen kennengelernt, die sich ebenfalls für die Zukunft des Schulsystems interessieren und es hat uns viel Freude bereitet, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen!

Share this project:

Updates