Video

Das Video zu unserem Projekt finden Sie unter folgendem Link: www.ipadunterricht.de/kompetenzen.mp4 (falls kein Bild kommt: Rechtsklick -> speichern unter...)

Problembeschreibung

a) Für LuL:

  • die aktuelle Situation der gesplitteten Lerngruppen sowie des asynchronen Lernens ist nicht zufriedenstellend, da man zum einen den gleichen Unterricht nicht zeitversetzt anbieten kann und zum anderen möglichst alle SuS einer Klasse von dem stattfindenden Unterricht profitieren sollen
  • Darüber hinaus erfordert diese Art des Unterrichtens ein verstärktes Maß an Teamarbeit im Kollegium und ein bisher beispielloses Maß an Bereitschaft zur persönlichen Weiterbildung und Flexibilität
  • Etliche Lehrer fühlen einen Kontrollverlust
  • Mangels Erfahrung und rechtlicher Absicherung können viele KuK noch nicht die Chancen der Digitalisierung ausschöpfen

b) Für SuS:

  • der Distanzunterricht hat aufgezeigt, dass viele SuS Probleme haben, sich zu motivieren und strukturieren, auch wenn viele SuS in etwa auf ihrem Leistungs-/Arbeitsniveau geblieben sind. Diese Probleme sind aber in Präsenz- und Distanzunterricht gleichermaßen vertreten, sodass es hier ein überkonzeptionelles Problem gibt, welches angegangen werden muss, unabhängig davon, wie die Unterrichtsform in Zukunkt konkret gestaltet ist
  • auch bei SuS steht die Gefahr der Schere im Raum --> Gute werden besser, Schlechte schlechter?
  • Kommunikation zwischen KuK und SuS ist nach wie vor schwierig und uneinheitlich an vielen Schulen => Die größten Probleme sind fehlende Softskills auf SuS-Seite und die jahrelange Konditionierung, nur auf Befehl und Notendruck (extrinische Motivation) zu arbeiten => Betroffen sind die SuS, die mit unserer aktuellen eher passiven Lernumgebung Schule nicht auf das Leben in der heutigen Gesellschaft vorbereitet werden sowie Lehrpersonen & Poliktiker, die umdenken müssen

c) Für Eltern und Erziehungsberechtigte:

  • Kommunikation zwischen KuK und Eltern ist nach wie vor schwierig und uneinheitlich an vielen Schulen
  • Eltern sehen sich - vor allem in unteren Klassenstufen - in die Rolle der Ersatzlehrkraft gezwungen, viele sind in Kombination mit der Bewältigung ihrer sonstigen Aufgaben an der Belastungsgrenze
  • soziale Ungleichheiten werden durch digitalen Unterricht verschärft, da die technischen Voraussetzungen und die Unterstützung durch die Eltern sehr unterschiedlich ist

Lösungsbeschreibung

  • Wir gehen davon aus, dass in der heutigen Gesellschaft kreative Denker gefragt sind, die sich Informationen beschaffen sowie kritisch und kreativ mit diesen umgehen können. Das reine Wissen tritt in den Hintergrund, da man sich mittlerweile auf schnelle und einfache Weise viele Informationen beschaffen kann. Man muss diese Informationen finden, einordnen und damit umgehen können. Die Schule bietet die Gelegenheit, die nötigen Softskills als Vorbereitung auf das spätere Leben zu üben und anzuwenden.
  • SuS sind nicht mehr in der Rolle des passiv Belehrten, sondern übernehmen die Rolle des aktiven Lernenden. Dadurch übernehmen sie Verantwortung und erweitern so ihre Softskills.
  • LuL geben die Verantwortung für das Lernen schrittweise an SuS ab und entwickeln gemeinsam mit ihnen Lernziele. Wichtig dabei ist, dass das Lernziel eindeutig ist, die SuS aber auf individuellen Wegen dorthin finden können.
  • Eltern und Erziehungsberechtigte können durch die digitalen Entwicklungen – auf freiwilliger Basis – besser mit einbezogen werden, weil sie einfacher über Lernprozesse informiert werden können. Es braucht direktere, barrierefreie Kontaktmöglichkeiten.
  • Eltern und Erziehungsberechtigte müssen gleichsam entlastet werden. Weg hierzu ist der Übergang zu Flipped Learning – weniger Übungen zuhause, welche Eltern in die Ersatzlehrer-Rolle zwingt, mehr Erklärungvideos und interaktive Übungen mit Sofort-Feedback, Coaching in der Schule.
  • Politiker tragen diese Umstrukturierung von Schule mit und ermöglichen die Umsetzung mittels Gesetzesänderungen und Finanzierung. Rechtliche Voraussetzungen: Rechtsabsicherung bezüglich der Aufsichtspflicht, Voraussetzungen für digitale Kommunikation, flexiblere Kerncurricula
  • Es profitieren alle von der Lösung: die einzelnen SuS, da sie sich persönlich entwickeln und einbringen können, aber auch die Gesellschaft & die Wirtschaft, da sich die SuS zu selbstdenkenden, lösungsorientierten, selbstbewussten und gesunden Menschen entwickeln. Dies ist der nachhaltige Wert unserer Lösung. Auch Eltern und Erziehungsberechtigte können sich dadurch besser einbringen und fühlen sich wahrgenommen. Zuletzt profitieren LuL durch neue Möglichkeiten der Digitalisierung, auch die neue Lehrerrolle führt langfristig zu einer Entlastung. Wir erkennen an, dass dieser Weg zuerst anstrengend sein wird.
  • Die größte Schwierigkeit in der Umsetzung ist die Haltung, die erforderlich ist. Umso wichtiger ist es, die nachhaltigen Chancen dieses Weges aufzuzeigen und viele zum Mit- und Umdenken zu gewinnen.

Vorgehen & Fortschritt

  • Der Lösungsansatz entstand durch einen Austausch mehrerer Lehrpersonen, die unter Lock-Down-Bedingungen Erfahrungen in unterschiedlichen Formen des Distanzlernens sowie hybriden Unterrichtens gesammelt haben.
  • wichtiger Meilenstein: die Softskills fehlen vielen SuS, dies ist unabhängig von Präsenz- oder Distanzunterricht und erfordert dringenden Handlungsbedarf, da diese für das Leben wichtiger sind als reines fachliches (auswendig gelerntes) Wissen. Diese sind:

    • intrinsische Motivation
    • Arbeitsorganisation
    • Zeitmanagement
    • Frustrationstoleranz
    • Selbstbestimmung
    • Selbstreflexion
    • Kommunikation
    • kritischer Umgang mit (digitalen) Medien und Informationsquellen
    • Kreativität
    • Eigenverantwortung
    • Sozialkompetenzen (auch bzw. gerade im digitalen Raum)
    • Medienkompetenz
  • Einigung auf Best Practice-Ansätze und die Bildung von Konzepten, die unterschiedliche Szenarien entsprechen (was der Erwartung entspricht, dass die verschiedenen Bundesländer im neuen Schuljahr unterschiedlich weitermachen werden)

  • Der entscheidende Ansatz im Unterricht fußt auf zwei entscheidenden Änderungen:

    1. Übergang von Wissensvermittlung zu Coaching durch Flipped Learning und deutlich offenere Aufgabenstellung, welche mehrere Lösungsansätze begünstigt
    2. Übergang von Bulimie-Lernen zu kreativem und kritischem Umgang mit Wissen durch offene Aufgaben und stärkere Betonung von Softskills / Erwerb von Kompetenzen

Wie erreichen wir das? Eine Vorschlagssammlung:

  • Reduzierung/Entschlackung des fachlichen Kerncurriculums hin zu Vorgaben mit Mindestanforderungen und einem größeren Freiraum, die Kompetenzen liegen deutlich mehr im Fokus als das Fachwissen
  • Jedes Schuljahr beginnt mit 14-tägigem Methoden- und Kompetenztraining: SuS lernen die Programme, mit denen sie im Distanzlernen umgehen sollen, besser kennen. Für die Rolle des eigenverantwortlich Lernenden, wird der Grundstein gelegt. Dieser Lernprozess wird kontinuierlich fortgesetzt.
  • Umgestaltung des Unterrichts: Flipped Classroom
  • Neue Feedback-Möglichkeiten ausschöpfen: Audio-Files, Peer2Peer-Feedback, Digitale Schreibteams, Softskillfeedback zu Teamwork, Fairplay, Methodeneinsatz, etc.
  • Kommunikation zwischen Lehrkräften muss gestärkt werden, auch oder gerade digital. Ritualisierung von Videokonferenzen und Initiativen wie „Unterrichtsplan-Tauschtag“ können hier helfen (an einem Tag, z.B monatlich, tauschen Lehrkräfte Unterrichtsmaterial zu einer exemplarischen Stunde innerhalb der Fachschaften aus).
  • Die gemeinsame Fortbildung aller Lehrkräfte muss selbstverständlicher sein. Mini-Barcamps, 10-Minuten-Tutorials, Lifehack-Pinnwände & Padets.
  • Gemeinsame, fächerübergreifende Projekte sollten keine einmaligen Events mehr sein, sondern ein vom Direktorat geförderter, unkomplizierter Teil der Unterrichtsmethodenvielfalt
  • neue Lehrerrolle: Lernbegleiter/Coach. Dies wird erreicht durch „Lernen durch Lehren“, Flipped Classroom, Projektarbeit, Arbeitspläne mit offener Herangehensweise
  • Lehrkräfte schrittweise an das digitale Unterrichten heranführen. Methode: SAMR-Modell (https://www.medienzentrum-harburg.de/wp-content/uploads/2016/03/SAMR_Bad.jpg)
  • neue Schülerrolle: verantwortungsbewusste Lernende, die Verantwortung für ihr Lernverhalten übernehmen. Ältere Schüler können sich als Experten fortbilden und helfen Jüngeren (z. B. Medienscouts, Nachhilfesystem „Schüler helfen Schülern“, Peer-teaching)
  • LuL werden in einem freiwilligen Webinar über die Problematik und Lösungsideen informiert, eine Zwangseinführung ist wenig erfolgsversprechend
  • Motivierte LuL werden zu Influencern im Kollegium, je mehr LuL mitziehen, desto größer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit. Dieser Prozess wird einige Zeit und Geduld erfordern.
  • technische Voraussetzung: Implementierung einer Lernplattform mit direkten Kommunikationsmöglichkeiten zwischen allen Beteiligten (Microsoft Teams, Google Hangout, Jitsi, etc.)
  • Öffnung des Unterrichts auch in Bezug auf die Lernumgebung und Lernzeit: Lernen ist nicht ortsgebunden und kann bzw. sollte auch zu Hause, in Parks, etc. ermöglicht werden. Die SuS sind freier in der Zeiteinteilung (gegebenenfalls unter Einhaltung von Fristen).
  • IT-Verwalter fest angestellt in Schulen
  • Öffnung des Datenschutzes, um barriererefreie Kommunikation sowie Online-Unterricht zu ermöglichen
  • Kommunikationswege für Eltern müssen geöffnet werden. Möglichkeiten: Einsatz einer Direct-Messaging-App (Signal, Threema), Eröffnung eines Kanals für Elternkommunikation (Teams, Jitsi), Videokonferenzen mit Eltern statt Elternabend, E-Mailverteiler
  • Transparenz gegenüber Eltern erhöhen - sie müssen ebenso wie die SuS Einblick in die unmittelbaren Lernziele haben können, wenn sie das wünschen. Möglichkeiten: über die Lernplattformen (Mebis, Moodle, iServ), über digitale Pinnwände (Trello, Padlet, Wakelet), über eine Website mit Password
  • Bundesweit die Möglichkeiten digitaler Verwaltung ermöglichen. Das beginnt bei den Abszenzen und endet bei digitalen Lehrbüchern und der Notenverwaltung. Beispiel hierfür: Claxss.
  • Öffnung der Lehrmittel: Nutzung von Endgeräten im Unterricht und Einsatz von eBooks (auch als Schulbuch) sollte möglich sein, wenn Lehrkräfte das umsetzen können
  • Best Practice: https://schule-in-der-digitalen-welt.de/hybrides-lernen-apps-tools/
  • Entlastung sozial schwacher Familien durch Leihgeräte (Tablets, Laptops) – hierfür müssen Bedingungen geschaffen werden.

Prototyp

Schule muss neu gedacht werden:

  • Wir brauchen eine Lernumgebung, in der die SuS als AKTIVE Lernende Verantwortung für ihr Lernen übernehmen und dieses mitgestalten.
  • Dazu benötigen wir Lehrpersonen, die dieses ermöglichen und entsprechende Strukturen sowie politische Entscheidungen, die den Lehrpersonen Rechtssicherheit geben.
  • Wir gehen davon aus, dass...

...der Umgang mit Informationen wichtiger ist als Wissensreproduktion. ...SuS Softskills brauchen, um erfolgreich durchs Leben zu gehen: Motivation, Frustrationstoleranz, Selbstständigkeit, Verantwortung, ... (s. Lösungsbeschreibung) ...alle langfristig von dieser Lösung nutzen und profitieren

Nächste Schritte

Die Annahmen lassen sich beispielsweise in Projektschulen testen. Dies nimmt aber viel Zeit in Anspruch und ist auch gar nicht unbedingt nötig, da bereits erwiesen ist, dass SuS effektiver lernen, wenn sie ihr Lernen aktiv mitgestalten und Unterrichtsformen wie Projektlernen oder das Daltonkonzept zeigen, dass der Fokus auf das selbstverantwortliche Lernen gewinnbringend für SuS sind.

In nächsten Schritten müssen die Ideen gefestigt werden. Auf politischer Ebene müssen Anforderungen an Schule und Unterricht sowie rechtliche Rahmen neu gesteckt werden. Wir benötigen entschlackte fachliche Curricula Methodenunterricht, damit SuS auf die mannigfaltigen Herausforderungen des digitalen Lernens vorbereitet sind, muss durch IT oder entsprechende Angebote gewährleistet werden. Mittelfristig muss sich auch die räumliche Situation ändern. Etliche Pilotprojekte (Lernlandschaften) geben hierfür bereits wichtige Impulse. Wir befürworten ausdrücklich die Forderung der Kanzlerin, dass IT-Verwaltung nicht länger „Nebenjob“ von Lehrkräften bleiben darf. Es braucht hier eine professionelle Kraft, die ausschließlich möglichst reibungsarme Abläufe organisiert und Lehrkräfte in ihrer pädagogischen Arbeit entlastet.

Glossar

In 10-Minuten-Tutorials werden die wichtigsten Aspekte eines Themas in einer zehnminütigen Einheit (z.B. in einem Video) möglichst einfach erklärt.

Beim asynchronen Lernen wird die Lerngruppe während des Lernprozess in Untergruppen aufgeteilt. Am Ende sollen alle Teilnehmer die entscheidenden Inhalte gelernt haben. Während der Coronakrise waren Lehrer zum asynchronen Unterrichten gezwungen, wenn nicht alle Schüler gleichzeitig in einem Raum unterrichtet werden konnten (siehe auch hybrides Unterrichten).

Barrierefreie Kontaktmöglichkeiten sollen LuL die Sicherheit geben, dass die von ihnen gewählten Kommunikationswege rechtlich abgesichert sind. Die Kommunikation mit SuS sowie Eltern und Erziehungsberechtigten soll einfach, schnell und unkompliziert sein.

Best-Practice-Ansätze sind Methoden, mit denen in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen gemacht wurden.

Beim Bulimie-Lernen wird der Stoff schnell auswendig gelernt, sodass er in der Prüfung abrufbar ist. Diese Methode ist wenig nachhaltig, da das Wissen nicht vernetzt wird und schnell in Vergessenheit gerät.

Das Daltonkonzept (oder auch der Daltonplan) ist eine Methode, bei der sich SuS festgelegten Lernstoff selbstständig aneignen. Dabei wird auf Frontalunterricht komplett verzichtet.

Beim Distanzunterricht begegnen sich LuL und SuS nicht direkt. Der Unterricht kann z. B. in Form von Lehrbriefen, Arbeitsaufträgen per Mail oder per Videokonferenz erfolgen.

Beim Lernkonzept Flipped Learning erfolgt die Wissensvermittlung nicht direkt durch die LuL. Stattdessen eignen sich die SuS das nötige Wissen mit Texten, Lernvideos, etc. eigenständig an und haben dann im Unterricht die Gelegenheit, dieses Wissen auszuprobieren und anzuwenden.

Hybrides Unterrichten beschreibt die Kombination aus Präsenz- und Distanzunterricht.

Mit Lernlandschaften werden architektonische Alternativen zum Klassenraum geboten. Ziel ist es, die vorhandenen Muster zu durchbrechen und auf die SuS zugeschnittene Räume zu entwickeln, in denen Lernen auf vielfältige Weise möglich wird.

Lifehack-Pinnwände sind schwarze Bretter im realen oder digitalen Raum, auf denen Tipps und Tricks ausgetauscht werden.

Mit den Lock-Down-Bedingungen sind die Kontaktbeschränkungen während der Coronakrise gemeint. Diese varrieren je nach Bundesland und Zeitpunkt.

(Mini)-Barcamps sind Tagungen, die in ihrer Gestaltung sehr offen sind und durch die Teilnehmer aktiv gestaltet werden können.

Padlet ist eine digitale Pinnwand.

In einer passiven Lernumgebung werden die SuS zum Objekt vorgegebener Inhalte und Lehrmethoden. Passive Lernumgebungen bieten keinen oder nur wenig Gestaltungsfreiraum.

Beim Peer-Teaching geht es ums Lernen durch Lehren. SuS unterrichten sich gegenseitig und vertiefen dadurch den Lernstoff.

Beim Unterrichtsplan-Tauschtag tauschen LuL vorbereitete Konzepte. Sie gestalten eine Unterrichtsstunde, die von jemand anders erarbeitet wurde.

Abkürzungen

LuL: Lehrerinnen und Lehrer KuK: Kolleginnen und Kollegen SuS: Schülerinnen und Schüler

Built With

  • hirn&herz
  • padlet
  • zumpad
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