Die Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. kümmert sich um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. In einer Tagesbetreuung geben wir Betroffenen eine Tagesstruktur, es wird gesungen, gebastelt und am Hochbeet gegärtnert.

Pflegende Angehörige nutzen die Zeit, um Termine wahrzunehmen, zum Sport zu gehen und einfach mal eine Auszeit vom Pflegealltag nehmen.

Seit Corona ist die Tagesbetreuung nun geschlossen. Wir merken durch telefonischen Kontakt mit den Angehörigen, dass die Belastungssituation zu Hause immer schwieriger wird, je länger die Einschränkungen dauern.

Unsere Idee ist nun in einem ersten Schritt, neben der telefonischen Beratung, auch Kontakt über neue Medien, WhatsApp, per Mail usw. mit den Angehörigen aufzunehmen. Wir werden kleine Videos erstellen, z.B. über das Haus und den Garten der Tagesbetreuung, mit Grüßen von Mitarbeitern oder auch anderen Angehörigen, wir geben Tipps für Beschäftigungen in der Häuslichkeit, auch Tipps, wie Musik mit eingebunden werden kann usw. Die Videos geben zum einen Hilfestellung im derzeit eingeschränkten Alltag, andererseits sollen die Videos allen auch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wenn z.B. die Mitarbeiter Grüße an sie versenden und so zeigen: „Wir vergessen Sie nicht und freuen uns schon auf ein Wiedersehen.“.

Im zweiten Schritt, auch über die Corona-Zeit hinaus möchten wir gern eine App entwickeln, in der sich Angehörige mit uns, untereinander und mit weiteren unterstützenden Akteuren austauschen können. Dabei haben wir auch den Vernetzungsgedanken und die Koordination von Selbsthilfegruppen pflegender Angehöriger im Blick.

Gesellschaftlicher Mehrwert 

Der demografische Wandel bringt eine steigende Zahl demenzerkrankter Menschen, mit zunehmend auch jüngerem Alter, mit sich. Diese Entwicklung braucht ein Gegenüber in der Versorgung durch Tagesbetreuung, Pflege, pflegende Angehörige und auch psychosoziale Entlastung von Angehörigen durch Beratung und den Austausch in Selbsthilfe-gruppen. Die vorhandenen Strukturen müssen dafür sichtbar gemacht und ausgebaut werden, wo sie in Sachsen-Anhalt noch schwach sind. Als Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. möchten wir dazu beitragen, die Vernetzung der oben genannten Akteure zu fördern und entsprechende Tools - auch über Corona hinaus - zu Verfügung zu stellen.

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz profitieren durch unsere Idee, weil der Kontakt außerhalb der Häuslichkeit gehalten wird. Das beugt einer sozialen Isolation und möglichen Krankheiten, wie Depression vor. Mögliche dringende Hilfebedarfe können schneller erkannt werden und Unterstützung geleistet werden. Mit der Entwicklung einer Netzwerk-App würden darüber hinaus auch die Selbsthilfe und ergänzende Unterstützungsstrukturen profitieren.

Skalierbarkeit 

Eine Skalierung im ersten Ansatz wäre durch den Einbezug von Betreuung/Pflege im erweiterten Sinne, also nicht auf Alzheimerdemenz beschränkte Angebote möglich. Dabei ergibt sich durch die Skalierung auch die Chance den Nutzen für die primäre Zielgruppe zu erhöhen.

Innovationskraft 

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit keine entsprechenden digitalen Vernetzungsangebote, die das gesamte Akteurssystem aus Betreuung, Pflege, Klient*innen und pflegenden Angehörigen in den Blick nehmen. Darüber hinaus ist der Kommunikationsweg mit den Klient*innen und ihren Angehörigen neu, insbesondere dort, wo er dialogisch ausgebaut wird. Innovativ ist ebenfalls die Überwindung einer gegenwärtig noch stark regional/lokal ausgerichteten Arbeitsebene im Bereich Alzheimer/Demenz, die mit der Entwicklung der App auf einer Landesweite Vernetzung ausgeweitet werden soll.

Tragfähigkeit 

Die Idee den Kontakt mit den Videos, der telefonischen und Online-Beratung zu intensivieren ist als Erprobungs- und Bedarfserhebungsphase sofort möglich. Die aus diesen Erfahrungen und Learnings zu entwickelnde App sollte mittelfristig, also innerhalb von ca. 6 Monaten möglich sein.

Die Learnings aus der Corona-Krise, die in der Akutphase zur Erprobungschance werden wir die Idee der Videos und natürlich der Beratung fortführen. Es ist eine sehr gute Möglichkeit mit den Angehörigen in Kontakt zu bleiben.

Nachhaltigkeit  

 Die Angehörigen fühlen sich wertgeschätzt und werden psychosozial unterstützt. Die familiäre Atmosphäre, die sonst in der Tagesbetreuung und in der Kommunikation mit den Angehörigen, herrscht, wirkt durch die neue Kommunikationsform weiter. Wir erwarten positive Effekte für den Gemütszustand und Optimismus der Angehörigen.

Auch nach Corona hat das Projekt positive Wirkungen. Wenn z.B. ein Krankenhausaufenthalt oder Kurzzeitpflege ansteht gibt es dann etablierte Kommunikationswege, die die soziale Verbindung zwischen Tagesbetreuung und Klient*innen/pflegende Angehörige aufrechterhalten und an den Übergängen zwischen den einzelnen Stationen eine verstärkte Handlungssicherheit ermöglichen. Auf ökonomischer Ebene wirkt sich, im Rahmen der landesweiten Skalierung, die Umsetzung der Vernetzungs-App auf die Effizienz der Unterstützungsstrukturen im Feld Alzheimer/Demenz positiv aus und wirkt im Sinne eines One-Stop-Shops für die betroffenen Familien.

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