Schülern Feedback zu ihrem Lernverhalten zu geben ist leider noch keine gängige Praxis an Grundschulen in Deutschland. Häufig gibt es nur Rückmeldungen zum Lern- oder Sozialverhalten und die Entwicklung, Stärken und Schwächen der einzelnen SuS kommen zu kurz. Gerade in den letzten Wochen während der Corona-Pandemie wurde deutlich, dass die SuS ihre Lernprozesse nur wenig selbstständig organisieren können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in Grundschulen eine Feedbackkultur, die über die Feedbackebene „richtig oder falsch“ hinausgeht, noch nicht verbreitet ist. Unsere Fragestellung war, wie es möglich sein kann, SuS individuelles Feedback zu geben, das verbindlich und nachhaltig ist. Es gibt viele Theorien und unzählige Methoden, aber die Umsetzung braucht eine Loslösung von konventionellen Unterrichtsabläufen und Kompetenzerwartungen hin zur Fokussierung auf Lernprozesse. Die größte Hürde liegt hier in einem deutlichen Mehraufwand für die LuL. Für Montessori-Schulen gibt es bereits digitale Tools zum Anlegen von e-Portfolios, allerdings sind diese Tools englischsprachig und die Daten liegen auf amerikanischen Servern.

Die Lösung unserer Fragestellung sollte ein Tool sein, dass folgende Punkte erfüllt:

  • Vorschläge für Feedback in den verschiedenen Klassenstufen der Grundschule
  • Offline Funktion
  • kostenloser Zugang zu dem Tool, da die Finanzen an Grundschulen häufig keine teuren Anschaffungen zulassen und dann eher auf analoge, nicht zeitgemäße Lösungen zurückgegriffen wird
  • deutsche Server, damit eine datenschutzkonforme Nutzung gesichert werden kann
  • das Tool sollte in Modulen aufgebaut sein, aus denen man wählen kann, welche benötigt werden

Diese Eigenschaften würden wir gerne in "Feed up kids" vereinigen! Wir gehen davon aus, dass Feedback in der Grundschule viel häufiger genutzt würde, wenn es einen Leitfaden gäbe, an dem man sich orientieren könnte. Häufig wird die „alte“ Sicht- und Arbeitsweise von Schule einfach weitergetragen ohne sich neuen Möglichkeiten zu öffnen. Die Umsetzung muss einfach und ohne großen Aufwand möglich sein. Außerdem gehen wir davon aus, dass Schulen zukünftig digital so ausgestattet sind, dass jede Lehrperson ein eigenes Endgerät besitzt, dass sie im Unterricht einsetzen kann. Ein digitales Tool, das auch offline genutzt werden kann und nicht nur für die Aufnahme sondern auch für die Auswertung von Feedback genutzt werden kann, würde die Einführung von individuellem Feedback in Grundschulen erleichtern und könnte einfach etabliert werden. Neben den Schüler*innen, die in erster Linie profitieren, bringt eine positive Feedbackkultur automatisch die Steigerung von Unterrichtsqualität mit sich. Langfristig könnte die Etablierung eines verbindlichen Feedbacksystems, die Bewertung von Leistungen in der Grundschule komplett neu darstellen und Unterrichtsprozesse verändern. Die derzeit genutzten Methoden sind häufig darauf ausgerichtet, Leistung zu messen.

Zunächst haben wir nach Theoriemodellen gesucht, die sich auf die Grundschule übertragen lassen. Anschließend haben wir anhand der Studie nach Hattie und Timperley 2007, die verschiedenen Ebenen von Feedback auf die Grundschule übertragen und nach einfachen Umsetzungen gesucht, die für die Kinder leicht verständlich sind und für die Lehrkräfte leicht umzusetzen sind. Die wichtigsten Meilensteine waren die Erkenntnis, dass für eine langfristige Umsetzung und Etablierung ein einfaches, digitales Tool benötigt wird, das die verschiedenen Arten von Feedback möglichst einfach darstellt, damit der Aufwand überschaubar und somit alltagstauglich ist. Hierzu hat uns vor allem der Austausch mit Anderen und auch Experten weiter gebracht. Außerdem ist uns wichtig, Feedback verbindlich zu gestalten, um tatsächlich positiven Einfluss auf die Lernprozesse und die Selbstregulation der Kinder nehmen zu können.

Es gibt keinen Prototyp in dem Sinne, aber wir haben eine Zusammenstellung angefertigt, in der erklärt wird, wie wir uns das Feedbacktool vorstellen und mit welchen Inhalten es gefüllt werden könnte. In der kleinsten nutzbaren Version, wären die Hauptkompetenzen der unterschiedlichen Fächer in der Grundschule aufrufbar. Durch auswählen der erreichten Kompetenzen erhält man ein Feedbacksheet, das abgespeichert, ausgedruckt oder mit den SuS geteilt werden kann. In einer erweiterten Version ist ein vollständiges Kompetenzraster denkbar, das alle bereits erreichten und noch offenen Kompetenzen darstellt. So erhält man einen vollständigen Überblick, welche Kompetenzen bereits erreicht wurden Diese Informationen können genutzt werden, um mit pädagogischer Begleitung individuell auf Stärken und Schwächen einzugehen. Außerdem könnten die einzelnen Bereiche mit Aufgaben zur Forderung und Förderung hinterlegt werden.

Die nächsten Schritte beinhalten zunächst das Erstellen der „Feedbackfelder“ und Kompetenzraster anhand der Lernpläne. Für die Überprüfung bietet sich zunächst eine Vorstellung des Tools in Grundschulen mit verschiedenen Schwerpunkten an und eine anschließende Umfrage zu den einzelnen Funktionen an. Wir könnten das fertige Tool auch an den Grundschulen testen, an denen wir arbeiten, um einen ersten Einblick und eine Rückmeldung aus den Kollegien zu erhalten. Der nächste Schritt ist allerdings erst einmal die Ausarbeitung der Raster für die einzelnen Fächer und Jahrgangstufen anhand des Lehrplans. Als Zukunftsaussicht wäre es auch denkbar „Feed up kids“ mit Ankreuzzeugnissen zu synchronisieren, um den fortlaufenden Lernzuwachs zu dokumentieren. Anschließend wäre die Kooperation mit Experten für Programmierung und Umsetzung der Ideen in ein digitales Tool nötig. Dazu benötigen wir vor allem Know-how und ein entsprechendes Budget. Kontakte zu Experten auf dem Gebiet der professionellen Erstellung von interaktiven Medien mit Lernerfolgskontrollen konnten wir dank #wirfürschule in der letzten Woche bereits aufbauen und würden gerne weiter an dieser Idee mitarbeiten.

Share this project:

Updates